[Rezension] Helen Oyeyemi - Boy, Snow, Bird

grass-harp | Mittwoch, 24. Juni 2015 | / / |
(Historica)l Fiction - goodreads
Hardcover, 308 Seiten; Picador

“Boy, Snow, Bird” nahm ich aus der Bibliothek mit, weil das Cover schön ist und weil die Geschichte ganz cool klang – Mädchen läuft mit 20 von zu Hause weg, steigt in einen Bus und verlässt ihn erst wieder an der Endhaltestelle. Nach und nach erfährt man immer mehr warum – ihr Vater, ein Rattenfänger und (für mich) unglaublich unangenehmer Mensch, hat damit zu tun und die Gewalt, die er gegen sie angewendet hat. So eine riesengroße Rolle spielt das aber im Verlauf des Buchs gar nicht, mehr sieht man, wie sich die Hauptfigur Boy ein neues Leben aufbaut. Nur in ihrem Verhalten und ihren Gedanken sieht man immer mal wieder Einflüsse dieser Vergangenheit aufblitzen.

Das Buch ist ohnehin sehr leise was die vielen Geschehnisse und Probleme anbelangt. Sie werden erwähnt und sie ziehen sich durch die Seiten, Gespräche und Gedanken, aber sie werden nicht totgeschlagen. Dass jemand wichtiges heiratet bekommt man beispielsweise nur in einer Unterhaltung mit und dann geht es ein bisschen um die Sorgen der Person, aber der Akt des Antrags selbst wird nicht beschrieben. Daran musste ich mich ein bisschen gewöhnen – auf der einen Seite fällt es so schwer, eine enge Beziehung zu den Figuren aufzubauen, weil man das Gefühl hat, man ist nie so ganz drin, sondern eben nur „dabei“. Andererseits ist es toll über die Gesten und Worte als Indizien zu nehmen und darüber ein Gefühl zu entwickeln, was gerade in den Figuren vorgeht. Bei manchen geht es über die Geschichte hinweg richtig in die Tiefe und am Ende glaubte ich so manches komplexes und kompliziertes Verhalten nachvollziehen zu können. Einige Wendungen haben mich deshalb auch richtig überrascht, weil ich es eben einfach nicht kommen sehen habe und es dann rückblickend plötzlich Sinn gemacht hat.

Ganz besonders beeindruckt hat mich, wie die Autorin die Stimmung der fünfziger Jahre in den USA eingefangen hat, besonders mit Blick auf Trennung zwischen Schwarzen und Weißen. Auch die – auf unterschiedliche Art und Weise – starken Frauen, die als Haupt- und Nebenakteure in diesem Buch agieren, fand ich toll zu beobachten und mit ihnen aus Fehlern zu lernen. Herkunft, Wahrnehmung von Schönheit, Mutterschaft – all das sind Themen, die sich dabei durch die Zeilen ziehen, ohne dass oft sehr direkt darüber geredet wird. Ich fand es toll für Denkanstöße und um eigene Schlüsse zu ziehen.

„Boy, Snow, Bird“ ist nicht ganz einfach, man muss sich an die manchmal auslassende Erzählweise gewöhnen, ansonsten ist es aber schön tiefgründig, schön komplex und mit authentischen Figuren.

Kommentare:

  1. Das Cover ist wirklich wunderschön! Ich kannte das Buch eigentlich nur vom sehen und hab es auch immer mit "Summer and Bird" verwechselt : D.
    Dieses Buch hört sich aber auch ganz schön und spannend an! Werd ich mir mal genauer ansehen.
    P.S.: Deine Papierhütchen-Bewertung finde ich so süß!

    Liebe Grüße,
    Karin

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    1. Ich habe es auch oft damit verwechselt und war dann erst etwas überrascht, als es um etwas ganz anderes ging, aber das war auch cool x)
      Danke :))
      Ein schönes Wochenende wünsche ich dir!

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  2. Hmm, das Buch klingt jetzt nicht so wirklich so, als wäre es etwas für mich. Aber regelmäßig hier stoppen muss ich trotzdem immer. Sooooo ein schönes, stimmungsvolles Bild! Und tolle Rezi!

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    1. Ah vielen Dank, ich freue mich immer wieder, dich hier vorbeigucken zu sehen :D Das Kompliment mit den stimmungsvollen Bildern kann ich aber nur zurückgeben!

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