[About Books] Kleine, konservative Revolutionen

grass-harp | Freitag, 12. Dezember 2014 | / |
Spätestens seit den Hunger Games weiß jeder von uns, was eine Dystopie ist und hat bestimmt auch schon Trillionen von ihnen gelesen - manche besser, andere gewöhnlicher, unlogischer und breitgelatschter als andere.

Mir geht's genauso. Es gibt ein paar wahre Schätze da draußen, die richtig schön politisch sind, abgefahren und dennoch vorstellbare Zukunftsversionen vorstellen und voller Probleme stecken (siehe Pure, zum Beispiel). Aber selbst die haben oftmals ein Problem - ob sie durch und durch gut enden oder viele Verluste hinnehmen müssen, alle enden mit der Revolution

Und danach?


Hm, nichts. Ende, Finito, vielleicht fällt sich ein Pärchen noch glücklich in die Arme oder es kommen ein paar Zeilen darüber, dass der Neuaufbau noch ein bisschen Mühe kosten und man das Geschehene nie vergessen wird. Als wäre es nicht genauso kompliziert, in ein neues System zu wechseln, den Alltag erneut komplett umzuwerfen beziehungsweise überhaupt erstmal einen Alltag zu finden und Leid und Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu vermeiden.

Man sieht es doch an allen Bürgerkriegen und Revolutionen, die wirklich stattfinden, dass das "danach" eine ähnlich zermürbe Gesellschaft sein kann und manche Probeme dann erst anfangen. Aber die Geschichten hören genau dort auf, dort, wo es eigentlich erst richtig interessant wird und nicht um das Bergab sondern das Bergauf geht.

Wie wäre es mal mit einer Reihe, in der im ersten Band schon der Umschwung passiert und dann das Danach beschrieben wird? Wie wäre es mit einem Helden oder einer Heldin der Revolution, der/die gut als Motor für den ersten Umbruch war, aber mit politischen Verhandlungen und Kompromissen nichts am Hut hat und das Ruder abgibt? Oder einem gräuslichen Chaos und Hin und Her zwischen zwei gegensätzlichen Gesellschaftsidealen, bei denen beide irgendwie Recht aber auch Unrecht haben? Irgendetwas schön Kompliziertes, bei dem man als Leser selbst nicht weiß, für welche Seite man sich entscheiden würde. Ich will mehr davon, will nicht nur wegen inhaltlicher Spannung an den Seiten kleben, sondern in ein moralisches Dilemma geraten, bei dem ich nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.

Was meint ihr? Stört ihr euch auch an diesen klassischen, kleinen, konservativen Revolutionen ohne zufriedenstellendes Endprodukt? Oder fändet ihr so viel Realismus trocken und langweilig? Oder habt ihr solche Bücher vielleicht schon entdeckt? Immer her mit euren Meinungen und Empfehlungen!

Kommentare:

  1. Hey :)

    Ich hab noch nie darüber nachgedacht, was du da geschrieben hast. Ich hab zwar immer das gleiche Klischee in diesen Büchern bemerkt, aber das hab ich mich noch nie gefragt.
    Aber ich denke das auch so, wenn ich mir das so überlege. Ich fände es durchaus interessant, ein Buch zu lesen wo der neue Anfang beschrieben wird. Es stimmt, dass sie in den Büchern immer da aufhören, wo es doch auch sehr interessant ist. Denn jedes Ende ist ja bekanntlich ein neuer Anfang.
    Ich habe noch nie so ein Buch mit diesem neuen Anfang gesehen oder gelesen, aber ich würde mich auch über eine Empfehlung freuen.

    LG Jenny

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    1. Halloo :) Freut mich, dass es dir auch so geht, bzw. dir das auch aufgefallen ist. Natürlich ist es dann irgendwie schwierig ein Ende zu finden, weil sich ja nie alle Probleme lösen. Aber wenigstens den Prozess mal etwas weiter zu beschreiben, wäre ja schon mal etwas.

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  2. Hey :)

    Da muss ich Jenny zustimmen: Ich bin immer ein totaler Fan von Dystopien gewesen, allerdings ist mir immer auf gefallen, dass es am Ende meistens nach dem gleichen Schema verlief. Jedenfalls ist mir nun erstmal klar geworden, was mir genau fehlt: Wie es weiter geht.
    Du hast Recht, nachdem die Revolution erstmal erfolgreich...Pufff, machts gut, war ne schöne Zeit, schneit doch mal wieder rein!
    Vielleicht machen Autoren es deswegen nicht sooft, dass es sich dadurch doch irgendwie...im Kreis drehen (?) würde. Ich meine, in manchen Dystopien ist es doch so, dass das jetzige System durch eine Revolution entstanden ist. (Oder?) Nur fehlt da dass Verbindungsstück. Ich glaube, es wäre wirklich cool, so zum Beispiel...bei Panem, es wäre doch cool gewesen, wenn es so gewesen wäre:
    Ende 3. Weltkrieg und Aufbau Panem, Rebellion Distrikt 13 und dann die Einführung der Hungerspiele als Finale oder so. Weißt du, wie ich das meine?
    Hmm..jetzt wo ich darüber nachdenke, wäre das echt cool. Ich fände es nicht so spannend, nach einer Revolution weiterzulesen, sondern die Geschichte zu erleben, wie nach einem Ereignis etc. das System, gegen das dann Rebelliert, entsteht.

    Nun gut, aber zu deiner Frage: Ich kenne leider nicht solche Bücher, aber bei "Dorothy must die" geht es zum Beispiel darum, was passiert ist, nachdem Oz von Dorothy gerettet wurde. Vielleicht ist dass ja interessant für dich :)

    Liebe Grüße
    Kücki ♥

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    1. Heyho :)
      Jaa genau so ist es. Oder es ist eben am Ende alles wenig aufgelöst und es gibt nur die Tendenz in die Richtung, dass es sich wohl bessern wird, aber irgendwie ist das ja auch echt nicht zufriedenstellend. Aber du hast recht, wenn man es weitermachen würde, dann würde man wohl nie ein Ende finden, weil am System immer irgendetwas nicht perfekt ist. Aber es wäre schon allein interessant zu sehen, dass die Rebellen selber mal merken, dass das nicht alles so einfach ist, mit stürzen und puff, Arbeit getan.
      Meinst du mit Panem, dass es cool wäre, eine Art Prequel zu lesen, also wie Panem überhaupt entstanden ist, 75 Jahre bevor man über Katniss usw. liest? Fände ich aber auch interessant, vielleicht nicht unbedingt im Panem-Fall, weil ich da die Reihe schon gut abgeschlossen usw. finde, aber irgendwo anders mal. Dann würde man vielleicht die andere Seite auch mal besser nachvollziehen können.

      Ah ja, bei den Oz Büchern will ich eh gerne bald weiterlesen, da gucke ich mir das dann auch noch mal an ;) Danke!

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    2. Hey ;)

      Haha, ja, da machen es sich die Rebellen wirklich sehr einfach^^
      Naja, mit Panem meinte ich, dass es doch interessant gewesen wäre, dass ganze komplett anders anzugehen:
      Zum Beispiel wenn man das Buch geschrieben hätte...wenn President Snow ein Teenager war. Wie er die Nachrkriegszeit miterlebt, wie vielleicht ein diktatischer Kerl anfängt, alles beherrschen zu wollen und er eben dann anfängt, in die Politik zu gehen *SPOILER für Kommentarleser die Panem nicht gelesen habe* den Typ und alle zuvergiften um dann an die Spitze zu gelangen. also dass wir praktisch seine Geschichte zuerst gelesen hätten, vielleicht sogar seine Seite eingeschlagen hätte. Dann Teil zwei: Neue Rebellion durch die Distrikte und die Zerstörung von Distrikt 13. Und bestimmt würden wir ihn immer noch mögen, wenn es richtig geschrieben wäre. Dann hätte man am Ende einen Cliffhanger machen können, wo er die Idee bekommt, wie man nun das System reformieren könnte. Und dann hätte man im letzten Buch Katniss als neue Prota nehmen können, die in die (hmm..dann vielleicht 60 Hungerspiele oder so muss, weil ja insgesamt die Zeit verschoben wäre) und dann wäre alle so gewesen: WTF was hat denn Snow hier gemacht?! oO
      War das irgendwie verständlich? xD Also ich hätte das so fast noch geiler gefunden :)

      Tu das :)

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    3. Aaah jetzt hab ich es verstanden. Jaa, das wäre schon interessant. Ich glaube aber auch, dass die Reihe dann weit weniger Erfolg gehabt hätte, weil das mit den Hunger Spielen ja gerade das sensationelle und neuartige daran war. Aber wäre schon interessant, Snow mal anders kennenzulernen.
      *SPOILER FÜR ALLE DIE DIE HUNGER GAMES NICHT KENNEN* Mir persönlich wäre es eigentlich lieber gewesen, noch das mitzubekommen, was nach dem dritten Band passiert. Revolution schön und gut, aber den Leute aus dem Kapitol und den ersten paar Distrikten ging es doch ziemlich gut unter dem alten Regime - was passiert mit denen? Lassen die einfach so was mit sich machen? Wer fängt an zu regieren? Wie funktioniert das, gibt es da nicht wieder Unruhen? Macht man mit der Kategorisierung der einzelnen Distrikte einfach so weiter und lässt sie ihre jeweiligen Sachen herstellen oder reißt man die Grenzen ein, um mehr Zusammenhalt und weniger Unterschiede zu schaffen? Sowas alles hätte ich auch furchtbar interessant gefunden, also in dem Hinblick das "Aftermath" der Revolution in Panem.

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  3. Ha wie du nur auf dieses Thema gekommen bist ;D
    Headerliebe <3

    Vielleicht trittst du ja jetzt eine neue Genre-Welle los, Post-Dystopie quasi :D Da könnten einfach die ganzen Dystopiereihenautoren jetzt Spin-Off-Reihen schreiben, die ein paar Jahre später spielen (obwohl das ja wieder den spannenden Teil auslassen würde). Von Julianna Baggott könnte ich mir das wirklich gut vorstellen. Oder von Ilsa J. Bick, haach *_*

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    1. Überraschend, hm? Aber mir war sehr danach, das mal in die Runde zu werfen (auch in der Hoffnung, vielleicht ein paar Empfehlungen in die Richtung zu bekommen).

      Hahaha, Post-Post-Apokalypse? Kücki hat oben ja auch schon ne Art Prequel vorgeschlagen. Ich glaub in vielen Reihen wäre das hinfällig, weil schon sehr viel über die Vergangenheit berichtet wird, um die in dem jeweiligen Buch aktuelle Welt etwas zu verstehen, aber vielleicht wäre das auch ne Lösung. Oder eben Sequels. Meiner Meinung nach muss das auch gar nicht aus der Sicht der eigentlichen Hauptfiguren sein, sondern irgendjemand neues kann ins Bild treten, das würde das ganze auch noch mal interessanter machen. Hach, wäre das schön :D

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    2. Ich find's super. Ich mag so Diskussionsposts :)

      Nee nee, Post-Post-Apokalypse ist ja quasi ne Dystopie ;D

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  4. Hallo! :)

    Ich finde deine Gedanken zu dem Thema "Was nach der Revolution" wirklich sehr interessant und auch ich würde gerne etwas darüber lesen.
    Leider habe ich bis jetzt noch kein solches Buch entdeckt. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden?

    Liebste Grüße,
    Franzi von himmlischerfedertraum.blogspot.de

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    1. Halloo :)
      Freut mich, dass dich das interessiert. Wie gesagt, ich kenne in der Richtung bisher leider auch noch nichts, aber falls ich was finde, teile ich das natürlich gern mit :D

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  5. Ich bin ja echt kein großer Fan von Dystopie - viele klingen zwar recht spannend, aber ich weiß im Prinzip vorher schon, dass mich das Ende nicht zufrieden stellen wird. Eben genau aus deinen genannten Punkten (und, weil ich mit diesen unrealistisch altruistischen Teenagern nichts anfangen kann).
    Wenn ich dann doch mal zu Dystopie greife, dann eher zu den Klassikern, weil mich da auch die Zukunftsvisionen der Vergangenheit faszinieren.
    Bücher, die sich auch mit den Konsequenzen einer Revolution und dem Wiederaufbau einer Gesellschaft beschäftigen, würden mich aber auch interessieren.

    Ich freu mich übrigens darüber, dass du in letzter Zeit wieder häufiger bloggst :)

    Liebe Grüße

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    1. Ah das kann ich sehr gut nachvollziehen, mich hat am Anfang die Welle irgendwie mitgerissen, aber dann war ich auch bald übersättigt, eben weil es dabei selten so etwas richtig, richtig Gutes gab. An die Klassiker möchte ich mich aber auch noch ranwagen, das habe ich bisher noch viel zu wenig gemacht.
      Ich hoffe, dass ich in der Richtung noch was finde, wenn, dann sage ich natürlich Bescheid :D
      Ach, das freut mich wiederum ;) Die Motivation ist endlich wieder da.

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  6. Ich bin eben wegen den Revolutionen kein Fan von Dystopien. Revolutionen sind zwar schön und gut, aber sie kommen nun mal in den meisten Fällen vor und für mich geht das dann schon am Begriff Dystopie vorbei. Viel lieber hätte ich mehr Bücher, die einfach "nur" Dystopien sind, also quasi das alltägliche Leben in einer Dystopie darstellen. Dass das nicht langweilig sein muss, beweist ja schon das Contemporary-Genre - das wird schließlich auch gelesen und würde dem entsprechen - nur eben dann in einer furchtbaren Welt und mit einem schrecklichen System. Ich hab zwar das Buch nicht gelesen, sondern nur den Film gesehen, aber ich möchte hier trotzdem Never Let Me Go als Beispiel anbringen. Das ist das, was ich als Dystopie verstehe. Und gerade weil es da kein (Pseudo-)Happyend gibt, geht mir das sehr viel näher und regt mich mehr zum nachdenken an, als alle Pseudodystopien mit ihren Revolutionen.

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    1. Aaah ja, sowas habe ich mir auch schon öfter gewünscht und da steht Never Let Me Go auch ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Ich fand da auch den Wolkenatlas ziemlich toll in der Hinsicht, auch wenn der nur teilweise in der Zukunft spielt.

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  7. Ist ja wie bei den Liebesgeschichten, die hören auch gerne dann auf, wenn die zwei Figuren zusammen sind. Und dann? Was passiert, wenn die erste Verliebtheit vergangen ist? :) Ich stimme dir also vollkommen zu: so eine Reihe würde ich auch gerne lesen. Am liebsten dann noch mit ein paar Infos über den Rest der Welt. Diese Dystopien sind immer so isoliert, das man gar nicht erfährt, was eigentlich außerhalb der Grenzen passiert. Oder auf anderen Kontinenten.

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    1. Ja ja ja! Genau das! Es wird immer wieder der gleiche Teil des Problems beschrieben, aber viel zu selten das, was danach kommt. Bei den Liebesgeschichten würde ich das auch supergerne lesen und nicht nur, wenn es um Eheprobleme geht (da gibt's ja einige Bücher), sondern das auch mal bei Jugendbüchern, Pärchen, die einfach schon ein bisschen zusammen sind.
      Ja, meistens wird da ja nur mal eben nebenbei was erwähnt, dass der Rest der Welt ausgelöscht zu sein scheint und nur noch in Nordamerika Leute leben oder blablabla. Total schade sowas, man könnte viel mehr daraus machen und die Bücher mit weniger Beziehungsdrama und mehr sowas füllen.

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  8. Endlich spricht es jemand aus! Du hast so recht, es geht mir unheimlich auf den Keks, dass dann immer Schluss sein soll, als wäre es uninteressant was danach passiert. Als wäre das sowieso absehbar. Das ist es eben NICHT. Aber ich glaube, vielen Autoren ist das Thema viel zu heikel, weil das dann extrem politisch werden würde und das vermutlich nicht allen passen würde. So ein Thema ist sicher nichts für jedermann und darüber zu schreiben stelle ich mir auch echt schwierig vor - stell dir vor, du weißt selbst nicht, wofür du dich entscheiden würdest! Aber eine Seite muss sich ja durchringen. Man kann sich da echt leicht in etwas verstricken, da ist es wirklich viel leichter, über eine Revolution zu schreiben und es dabei zu belassen.
    Aber das finde ich wirklich schade, denn wie du schon sagtest: wirklich interessant wird es am Ende, wenn die Rebellion siegt und fast noch schwerere Zeiten bevorstehen.

    Liebe Grüße, Hanna

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    1. Haha, freut mich, dass es dir genauso geht und du das verstheen kannst.
      Und du hast Recht, es ist wirklich ziemlich schwierig, wobei ich glaube, dass man, wenn man sich geschickt anstellt, vermeiden kann, da viel eigene Wertung als Autor/in reinzubringen, sondern sich für eine innerhalb des Systems logische Entwicklung entscheiden kann. Und irgendwie sollte Literatur doch auch mal herausfordernd sein oder? Sowohl für die Autoren als auch für die Leser?

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  9. Mir fielen spontan The Day of the Triffids und Brave New World ein. Aber auch in der Divergent-Trilogie geht es im dritten Teil doch nur darum, wie die Welt nun aussieht und ob das moralisch so richtig ist. Sicherlich gibt es da noch viel mehr Bücher, die wir einfach gar nicht so auf dem Schirm haben...

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    1. Ja, stimmt, da kam das ein bisschen zur Sprache, obwohl man das richtige DANACH ja auch nicht so ganz mitbekommt. Aber da wird es schon ein bisschen angesprochen. Die anderen beiden Bücher merke ich mir mal, vielen Dank! Brave New World steht auch schon länger auf meiner Leseliste.

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