[Rezension] Ava Dellaira - Love Letters To The Dead

grass-harp | Dienstag, 15. April 2014 | / / |
Contemporary YA - goodreads
ARC, 323 Seiten; Farrar, Straus and Giroux
It begins as an assignment for English class: write a letter to a dead person - any dead person. Laurel chooses Kurt Cobain - he died young, and so did Laurel's sister May - so maybe he'll understand a bit of what Laurel is going through. Soon Laurel is writing letters to lots of dead people - Janis Joplin, Heath Ledger, River Phoenix, Amelia Earhart... it's like she can't stop. And she'd certainly never dream of handing them in to her teacher. She writes about what it's like going to a new high school, meeting new friends, falling in love for the first time - and how her family has shattered since May died.
But much as Laurel might find writing the letters cathartic, she can't keep real life out forever. The ghosts of her past won't be contained between the lines of a page, and she will have to come to terms with growing up, the agony of losing a beloved sister, and the realisation that only you can shape your destiny
via
“Love Letters to the Dead” ist eins der verwirrendsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Nicht aufgrund seines Inhalts, sondern wegen der gemischten Gefühle, die ich dazu habe. Es gab Stellen, an denen es mich richtig packte und ich abwechselnd Gänsehaut hatte, schmunzeln musste oder ein paar Tränen verdrückte. Da wären einmal die Idee hinter dem ganzen – ein Roman erzählt in Briefen an tote Menschen. Finde ich super. Manchmal können Briefromane ganz schön langweilig sein, weil die Figuren immer nur rückblickend erzählen und das dem Ganzen die Spannung nimmt. Da „Love Letters to the Dead“ aber ohnehin ein sehr ruhiges Buch ist, fand ich das sehr passend. In solchen Briefen lassen sich stilistische Feinheiten auch einfach viel besser einbauen und ich mochte es, wie die Protagonistin Laurel die toten Empfänger der Briefe auch oft direkt anspricht. Sei es nun, weil sie über deren Lieder oder Gedichte nachgedacht hat (z.B. Kurt Cobain oder E.E. Cummings) oder weil sie etwas neues über deren Leben erfahren und sich darüber Gedanken gemacht hat. In diesen Gedanken konnte man meist auch ganz schön viel über Laurel selbst lesen und das fand ich sehr faszinierend. Außerdem ist es toll, über die Seiten hinweg zu entdecken, wem sie so alles schreibt.

Die Stimmung des Buchs ist eher traurig und düster. Mir hat das gefallen, ich schätze aber, Cover und Titel können auch eine eher süße Geschichte vermuten lassen. Am besten nicht davon irritieren lassen, denn tatsächlich gibt es viele erdrückende Stellen, ganz besonders ab der zweiten Hälfte des Buchs. Gleichzeitig sind die aber nicht reich an Pathos und überschäumenden Gefühlen, sodass es nie übertrieben wirkt. Außerdem versucht die Autorin nicht, ihrem Leser irgendeine Meinung aufzudrücken – eher im Gegenteil. Sie zeigt an Laurel, wie schwierig und dynamisch so ein Prozess der Meinungsfindung sein kann. Genauso wie der Rest des Buchs ist der Schreibstil still und ruhig und klar. Zwischendurch lassen sich aber auch immer wieder poetische Formulierungen und andere sprachliche Schätze finden. Die Autorin setzt das ziemlich gekonnt ein, denn ich hatte nie das Gefühl, es würde zu ausufernd und blumig werden. Was in inneren Monologen, Beschreibungen und Gedanken aber so toll funktioniert, fehlt in den Dialogen leider. Oftmals empfand ich diese als zu hölzern und lebensfern. Manche Sätze kamen so abgehackt hintereinander, wie in einem schlechten Film. Da konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass derartige Formulierungen in der Form jemals aus dem Mund einer Person kommen sollten.

Genauso zweischneidig ist die Themenvielfalt des Romans. Er ist bei weitem nicht belanglos, denn er beinhaltet viele ernsthafte Problematiken: Solche, die für heutige Teenager ganz normal sind, bis hin zu solchen, die man niemandem wünscht, die aber doch leider auftreten. Allen voran der Tod von Laurels Schwester May, um dessen Verarbeitung es in der Geschichte auch ganz stark geht. Aber auch die erste Liebe, sexuelle Orientierung, Liebeskummer und Missbrauch sind mit von der Partie. Und leider werden von den Themen einige nur angeschnitten und kaum weiter behandelt. Schade, denn so halb fertig gegessene Brote finde ich immer äußerst unappetitlich. Wenn man sich dafür entscheidet, ein Buch über ein schwieriges Thema zu schreiben, dann sollte man ihm wenigstens genügend Raum geben, damit es nicht zu so einer Geschichte am Rande wird, die den Roman noch ein bisschen interessanter macht. Für mich war die Portion an problematischen Themen hier einfach zu gut gemeint und deshalb ganz schön schwer zu verdauen.
Besonders störend fand ich an der Sache, wie mit Laurels Missbrauch umgegangen wurde. Ich kann verstehen, dass sie lange Zeit darüber nicht spricht – weil sie sich auch selbst die Schuld an Mays Tod gibt und weil sie es einfach nicht aussprechen kann. Aber gerade zum Ende hin, als sie es Sky und Hannah und schließlich auch ihrer Mutter erzählt, wird darüber einfach hinweg gegangen. Ich bin beruhigt, dass im Epilog herauskommt, dass sie einen Therapeuten besucht. Dennoch hätte ich mir einfach gewünscht, noch mehr darüber zu lesen. Die Reaktion von Laurels Mutter war glaubwürdig, doch bei Sky und Hannah hätte ich gerne noch mehr zu dem Thema gelesen. Aber da ging alles so schnell und wurde übereilt abgehandelt. Auch allgemein war mir das Ende zu überstürzt und – bis auf die Tatsache, dass Mays Tod natürlich nicht rückgängig gemacht werden kann – auch ein bisschen zu sehr Friede Freude Eierkuchen. Den Epilog zu streichen hätte dem Buch sicherlich gut getan.
Am Anfang des Buchs hingegen wird eine Menge Geheimniskrämerei betrieben. Ich finde es nicht schlimm, dass man nicht sofort erfährt, was May zugestoßen ist, denn schnell wird klar, dass das Thema für Laurel furchtbar schwierig ist und sie es nicht aussprechen kann. Aber dafür, dass das Ende dann so übereilt und gehetzt war, hätte man am Anfang einfach ein wenig streichen können.

„Love Letters to the Dead“ ist kein schlechtes Buch, für meinen Geschmack beinhaltet es aber auch noch einige Makel. Empfehlen kann ich es trotzdem, gerade wenn man in der Stimmung für eine traurige und ruhige Geschichte ist und keine Lust mehr auf durchschnittliche, platte Schreibstile hat. Auf die weiteren Bücher der Autorin bin ich trotzdem gespannt, ich könnte mir nämlich gut vorstellen, dass sie ein paar von den Macken auszubügeln lernt.

Kommentare:

  1. Hallo :-)
    Danke für die Rezension! Ich möchte das Buch auf jeden Fall noch lesen, weil ich das mit den Briefen sehr interessant finde. Aber eine Frage hätte ich: Besteht das Buch nur aus Briefen? Oder nicht?
    Übrigens finde ich es klasse, dass du so viele englische Bücher rezensierst :)

    Liebe Grüße :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nichts zu danken :)
      Und ja, das Buch besteht nur aus diesen Briefen. Aber die sind eigentlich alle mehrere Seiten lang, sodass es manchmal gar nicht mehr so sehr auffällt, wenn eine Szene nacherzählt wird.

      Löschen
  2. Die Hitchhiker-Bücher auf dem Bild sind aus dem Del Rey Verlag. Ist die günstigste Ausgabe, die es zur Zeit bei Amazon gibt ;) Ich persönlich finde ich die von Pan Books aber schöner und werd mir die zulegen (wenn mein Budget das zulässt)

    "Life in outer space" klingt so, als könnte es mir gut gefallen. Ich hab's mir gleich mal bei Amazon angesehen und konnte bei dem e-book-preis nicht widerstehen - Danke für den Tipp! :)

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  3. Was soll ich da noch groß hinzufügen? Habe das Buch genau so empfunden :) Irgendwie schade, ich hatte von dem Cover und Titel wirklich was Anderes erwartet. Und ich fand die Briefform auf Dauer schon etwas ermüdend... vielleicht auch weil ich mit den meisten Briefempfängern nicht so viel anfangen konnte wie Laurel selbst.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hmm stimmt, ist blöd, wenn man diese Faszination zu den Empfängern nicht so richtig nachvollziehen kann, weil man sie einfach nicht kennt (oder nicht so fasziniert ist). Aber ich fand, das ging dadurch noch, dass die meisten Briefe ja relativ lang waren und man nicht so so superoft daran erinnert wurde, dass es sich ja um einen Briefroman handelt.

      Löschen
    2. Blöderweise hab ich durch die Länge auch manchmal vergessen, an wen sie gerade schreibt und wenn sie die Person dann wieder direkt anspricht, war ich verwirrt, weil ich z.B. Kurt im Kopf hatte, sie aber an wen anders geschrieben hat xD

      Löschen