[Rezension] Katie Coyle - Vivian Versus the Apocalypse

captain cow | Montag, 18. November 2013 | / / |
YA, Coming of Age, Apocalypse - goodreads
Paperback, 288 Seiten; Hot Key Books
Our cynical protagonist, seventeen-­year-­old Vivian Apple, is awaiting the fated 'Rapture' -­ or rather the lack of it. Her evangelical parents have been in the Church's thrall for too long, and she's looking forward to getting them back. Except that when Vivian arrives home the day after the supposed 'Rapture', her parents are gone. All that is left are two holes in the ceiling...
Viv is determined to carry on as normal, but when she starts to suspect that her parents might still be alive, she realises she must uncover the truth. Joined by Peter, a boy claiming to know the real whereabouts of the Church, and Edie, a heavily pregnant Believer who has been 'left behind', they embark on a road trip across America. Encountering freak weather, roving 'Believer' gangs and a strange teenage group calling themselves the 'New Orphans', Viv soon begins to realise that the Rapture was just the beginning.
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“Vivian Versus The Apocalypse“ ist so ein Buch, das ich mir perfekt als Indie-Streifen vorstellen kann. Mit schrammeliger Gitarrenmusik, melancholischen leeren Landschaftsbildern und Detailaufnahmen von alltäglichen Dingen, die unterstreichen, an welchen Dingen Menschen trotzdem noch festhalten, wenn sich die Umgebung ansonsten drastisch geändert hat.

Im Grunde genommen ist „Vivian Versus The Apocalypse“ nichts anderes, als viele apokalyptische Romane, die da draußen rumschwirren. Die Welt verändert sich – mehr Naturkatastrophen und die Jahreszeiten geraten durcheinander – und mit ihr verändern sich die Menschen. Die Church of America ist auf dem Vormarsch; der Weltuntergang ist prophezeit und nur die Gläubigen haben Aussicht auf Rettung. Diesen Sektenkult fand ich manchmal etwas befremdlich, weil er unglaublich absurd war (Präsident Lincoln, der erscheint und eine Botschaft überliefert), aber auch gruselig, weil er trotzdem viele Anhänger findet und Mauern zwischen die Menschen baut. Besonders die neuen gesellschaftlichen Konventionen fand ich erschreckend – Rückkehr zu den alten Werten, ganz klare Rollen für Mann und Frau, Ausgrenzung von Homosexuellen. Eigentlich auch kein so neues Bild von einem Kult, das da gemalt wird. Allerdings ist damit auch viel Geldmacherei und Monopolisierung verbunden – Radiosender, Zeitschriften und Nachrichtensendungen wurden von der Church of America übernommen, viele Produkte nur noch von ihnen hergestellt.

Die Geschichte konzentriert sich aber nur am Rande auf Action und das Überleben der Hauptfiguren und die ganzen Katastrophen. Viel wichtiger ist in der Geschichte, dass tausende Jugendliche plötzlich ohne ihre Eltern dastehen (die als Gläubige 6 Monate vor dem Weltuntergang in den Himmel gekommen sind) und in dem ganzen Chaos schnell erwachsen werden müssen. Freundschaften werden dabei auf die Probe gestellt, die Liebe zu (und von) den Eltern hinterfragt. Deshalb ist Vivian für mich eher Coming-of-Age-Geschichte als apokalyptisch.

Hinzu kommt, dass Vivian so wunderbar authentisch ist und ich mich beinahe sofort mit ihr anfreunden konnte. Sie ist ganz normal, weder graue Maus noch totale Draufgängerin; macht Dinge, die sie im Nachhinein selber blöd findet und möchte manchmal gerne anders sein, obwohl sie doch ganz zufrieden mit sich ist. Es hat richtig Spaß gemacht, so eine bodenständige und doch alles andere als perfekte Hauptfigur zu begleiten. Ihre beste Freundin Harp ist da schon etwas schwieriger, aber nicht weniger menschlich. Die Freundschaft zwischen den beiden fand ich ziemlich gut dargestellt – hier und da bröckelte es etwas, alles in allem war da aber doch viel Stabilität, die ich den beiden abnehmen konnte.

Toll ist auch, dass der Plot nicht von einer riesigen Liebesgeschichte überschattet wird. Es gibt ein Love Interest – wobei der auch eher Anziehungspunkt ist, und das erst relativ spät –, es gibt süße Momente, bei denen ich einfach nur grinsen musste. Aber Vivians Gedanken drehen sich nicht die ganze Zeit darum, es entsteht kaum unnötiges Drama. Dadurch wirkt das Buch nicht pubertär, sondern man kann diesen besonderen Roadtrip von Vivian, Harp und Peter richtig genießen und ohne ständig mit den Augen zu rollen.

Einzig das Ende hat bei mir etwas Verwirrung und einen komischen Nachgeschmack zurückgelassen. Es ist seltsam, wie man es bei so einem Indie-Streifen erwarten würde. Als Leser kann man selber einen Teil der Geschichte weiterspinnen – mir gefällt so etwas eigentlich. Aber einige Aspekte fand ich dann doch etwas zu schnell abgehandelt, sodass ich ein wenig das Gefühl hatte, die Autorin wollte es sich leicht machen. Schade. Zum Glück hat das der Geschichte aber keinen so großen Abbruch getan, sodass ich das Buch nur wärmstens weiterempfehlen kann.

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