[Rezension] Jennifer Castle - The Beginning of After

captain cow | Samstag, 28. September 2013 | / |



Titel: "The Beginning Of After"
Autorin: Jennifer Castle
Auf Deutsch: -
Reihe: -
Genre: Young Adult Contemporary
Seitenzahl: 448
Erscheinungsdatum: April 2013
Format: Taschenbuch // Harper Teen
Wohltäter: Der Kapitän


When Laurel’s family dies in a horrific car accident, she struggles to put her life back together. She is now connected to David Kaufman, who lives down the block, and who lost his mother in the same crash. Both of their lives change—but not in the ways that they thought…






Bücher, in denen es um den Verlust mehrerer Familienmitglieder geht, machen mich immer etwas skeptisch. “If I Stay” von Gayle Forman las ich nur zögerlich und auch an “The Beginning of After” ging ich etwas vorsichtig heran. Zu groß ist die Gefahr, die Thematik banal erscheinen zu lassen oder – was viel häufiger vorkommt – sie so mit Gefühlen und Dramatik zu überhäufen, dass es pathetisch wird und gar kein Platz mehr für die wahren Emotionen ist.

Glücklicherweise ist „The Beginning of After“ nicht so überladen an Pathos. Und es wird auch am Anfang nichts in die Länge gezogen. Aus der Sicht der Hauptfigur Laurel bekommt man ein Abendessen mit der Nachbarsfamilie beschrieben. Laurel geht im Anschluss nach Hause, um noch etwas für ihre SATs zu lernen, der Sohn der Nachbarn David geht lieber zu einem Freund. Die Erwachsenen und Laurels kleiner Bruder Toby jedoch wollen noch Eis essen fahren – und haben auf dem Weg einen Unfall, der für alle außer Davids Vater tödlich endet. Plötzlich hat Laurel keine Familie mehr, plötzlich sind sie weg und Laurel muss allein zusehen, wie sie klarkommt.

Diese Schnelligkeit am Anfang bewirkt, dass man genauso atemlos und schockiert zurückgelassen wird, wie Laurel. Gerade saßen alle noch am Essenstisch und plötzlich ist alles so anders. Auch bei mir wollte das nicht richtig ankommen. Dass sowas so schnell gehen kann. Traurig, aber wahr.

Laurels erste Reaktion ist Schock. Glücklicherweise hat sie eine wunderbare beste Freundin, die sich um sie kümmert, sowie eine ziemlich aktive Großmutter, die sofort zur Stelle ist. Die beiden haben mich über lange Strecken des Buchs ziemlich fasziniert, vor allem Laurels Großmutter, die vollkommen natürlich und ohne sich zu beklagen die Zügel in die Hand nimmt und zur neuen Konstante in Laurels Leben wird. Natürlich sind auch die beiden nicht perfekt und ich wünschte, sie hätten in Laurels Gegenwart etwas öfter mal den Mund aufgemacht und ihr gesagt, was sie fühlen – dass auch sie jemanden verloren haben. Aber es ist nur zu verständlich, dass sie Lauren viel Platz lassen und sie so behandeln, wie sie es eben tun. Laurel will erst einmal gar nicht wahrhaben, was passiert ist und macht weiter – mit der Schule, mit den SATs, mit ihrem gewohnten Leben. Fand ich krass, konnte ich aber auch sehr gut nachvollziehen, schließlich muss man sich irgendwie ablenken und so ein Verlust sinkt nur schwer ein.

Nach dem Schock kommt Wut – Wut auf Davids Vater, der am Steuer saß, an dem Abend getrunken hat und trotzdem überlebt hat, wenn auch nur geradeso. Er liegt im Koma und die Chancen, dass er aufwacht, werden immer kleiner. Diese Wut konnte ich unglaublich gut nachvollziehen, zusammen mit den Schuldgefühlen, die Laurel hegt, weil sie überlebt hat. Immer wieder strömt das „Was wäre gewesen wenn“ durch ihren Kopf.

Bis zu diesem Punkt fand ich das Buch noch ziemlich gut und konnte Laurels Reaktionen nur zu gut nachvollziehen. Aber danach wurde es mir etwas zu geradlinig und einfach. Es ist nicht so, als wäre Laurel in Nullkommanichts über den Verlust ihrer Familie hinweg. Das auf keinen Fall. Die engen Nachbarschaftsstrukturen machen es auch nicht gerade einfacher – überallhin folgen ihr besorgte, mitleidige Blicke. Mit ihr passiert auch einiges – für mich fühlte sich das aber sehr stumpf und wenig an. Diese Distanz zum Geschehen, die in den ersten Phasen noch passte, blieb geschehen und ich kam Laurel kaum näher. Oftmals wurden Gefühle und Situationen nur innerhalb weniger Worte abgetan, dann ging der nächste Abschnitt los – und als Leser soll man selbst diese Lücke füllen oder wie? Aber wie denn? Mit meinem eigenen Vorstellungsvermögen, ohne ein bisschen Hilfestellung von dem Roman? Dann hätte ich das Buch auch gar nicht erst aufschlagen müssen.

Vielleicht ist es auch der Schreibstil, der es mir so schwer gemacht hat, eine Verbindung zu Laurel und ihren Gefühlen aufzubauen. Der ist nämlich wirklich sehr simpel gehalten – keine außergewöhnlich schöne Sprache, aber leider auch keine anderen charakteristischen Merkmale. Es muss ja nicht immer blumig und verspielt sein, dann sollte es aber wenigstens zur Hauptfigur passen und ein bisschen besonders sein. Aber auch das nicht. Sehr schade.

Ansonsten lässt sich jedoch nicht viel an der Geschichte kritisieren. Der Handlungsverlauf ist logisch und nicht langweilig, die Figuren weder schwarz noch weiß und man hat auch nicht das Gefühl, in einem überladenen Hollywoodfilm zu stecken. Es ist gut, aber nicht besonders – irgendwie sehr neutral. Und das finde ich doch sehr schade bei einem Buch, dessen Geschichte so viel Tragik zu Grunde liegt.




„The Beginning of After“ ist ein gutes Buch über den Verlust, leider aber kein besonders bewegendes – meine Unfähigkeit, zu Laurel irgendeine Beziehung aufzubauen, hat die gesamte Geschichte über eine kleine Mauer zwischen mir und der Thematik aufgebaut, sodass ich kaum mitfühlen konnte. Schade.


Kommentare:

  1. Hallo,
    Ich muss ja sagen, trotz das du deine Kritikpunkte hast, hat mich deine Rezension fasziniert und ich will dieses Buch jetzt sehr gerne lesen.
    Die Thematik und das ganze Drum Herum, sprechen mich sowas von an und ich muss sagen, dass ich auch keine Angst davor habe enttäuscht zu werden, denn trotz deiner Kritik konnte ich auch heraus lesen, das es dir hier und da wirklich gefallen hat.
    Ich bin gespannt.
    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Ja du hast schon recht, es hat mir an einigen Stellen auch echt gut gefallen, nur gab es eben auch einige Punkte, die mich gestört haben. Aber vielleicht geht es dir da ja ganz anders. Viel Spaß, falls du das Buch liest :)

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