[Rezension] Jennifer Brown - Bitter End

captain cow | Sonntag, 23. Juni 2013 | / |


Titel: "Bitter End"
Autorin: Jennifer Brown
Auf Deutsch: "Bitter Love"
Reihe: -
Genre: Young Adult Contemporary, Drama
Seitenzahl: 359
Erscheinungsdatum: Mai 2011
Format: Hardcover // Little, Brown Books
Wohltäter: The Captain

When Alex falls for the charming new boy at school, Cole -- a handsome, funny, sports star who adores her -- she can't believe she's finally found her soul mate . . . someone who truly loves and understands her.
At first, Alex is blissfully happy. Sure, Cole seems a little jealous of her relationship with her close friend Zack, but what guy would want his girlfriend spending all her time with another boy? As the months pass, though, Alex can no longer ignore Cole's small put-downs, pinches, or increasingly violent threats.
As Alex struggles to come to terms with the sweet boyfriend she fell in love with and the boyfriend whose "love" she no longer recognizes, she is forced to choose -- between her "true love" and herself.






Meine Güte, was für ein Buch. Manchmal wollte ich bei „Bitter End“ am liebsten aufhören und das Buch weglegen, weil ich einfach nicht mehr zusehen konnte, so erschreckend war es. Das Weiterlesen hat sich aber trotzdem gelohnt – schließlich geht es um häusliche Gewalt und eine missbräuchliche Beziehung. Wegsehen steht da nicht auf der Tagesordnung. Zumal es gut ist, zu diesem Thema, zu dem man immer wieder Zahlen liest, auch mal eine richtige Geschichte mit Herz und Gefühlen zu lesen. Wie die Autorin in ihrem Nachwort passenderweise anmerkt, gibt es unzählige Leute, die behaupten „Wenn ein Mann das mit mir machen würde, dann [an dieser Stelle bitte starke Verteidigungshandlung einfügen]“. Aber erst wenn man in einer solchen Situation ist, bemerkt man, wie man wirklich handelt. Aspekte wie Liebe, Geborgenheit, usw. spielen auch eine Rolle – nicht ohne Grund finden sich unzählige Menschen in solch einer Beziehung wider.

Trotz Frustration las ich also weiter. Besonders anfangs war die Beziehung zwischen Alex und Cole sehr süß dargestellt, sodass ich gar nicht glauben wollte, dass ihre Geschichte bitter werden kann. Ein kluger Schachzug der Autorin, denn man hofft mit der Hauptfigur, dass Coles aggressives Verhalten nur eine einmalige Ausnahme war und nie wieder vorkommen wird. Besonders dadurch konnte ich Alex' Verhalten sehr gut nachvollziehen – bis zu einem gewissen Punkt zumindest. Denn irgendwann wollte mir nicht mehr klar werden, warum sie es so hinnimmt und ständig Entschuldigungen erfindet. Wahrscheinlich ist aber genau das der Punkt, den man nur schwer verstehen kann, wenn man nicht selbst involviert ist – deshalb fand ich das nicht so schlimm.

Toll fand ich an dem Buch auch die Leute um Alex herum. Ihre besten Freunde Zack und Bethany sind ganz schöne Quatschköpfe, können aber auch ernst bleiben, wenn es sein muss. Die beiden lassen sich ganz schön viel von Alex und Cole bieten, scheuen aber die meiste Zeit trotzdem nicht zurück. Klasse, dass Jennifer Brown keine graue Maus ohne Freunde als Hauptfigur gewählt hat, sondern ein Mädchen, das mitten im Leben steht und Freunde hat, die ihr den Rücken stärken.

Womit ich aber erhebliche Probleme hatte, ist das letzte Drittel des Romans. Hier ging es mir einfach zu schnell – auch von Alex' Seite aus. Eigentlich ist sie ein sehr ruhiges Mädchen, das über die Dinge nachdenkt und nicht impulsiv handelt. Deshalb konnte ich besonders eine Entscheidung von ihr nicht nachvollziehen.

Achtung Spoiler :
Und zwar als Cole etwas von Heiraten und immer zusammen leben redet. Er macht ihr zwar keinen Antrag, aber schon dass sie darauf sofort überwältigt und zustimmend reagiert, wollte mir nicht ganz in den Kopf. Sie hat doch vorher schon ihre Zweifel. Ja, er ist der erste, der ihr ganz, ganz offen seine Liebe zeigt, aber selbst ihr müsste doch klar sein, dass das nach 4 Monaten – die nicht durchweg toll ablaufen – ein wenig früh ist.

Auch der Epilog selbst konnte mich nur halbwegs beeindrucken, denn er war mir zu klischeebeladen. Die Formulierungen waren an der Stelle so pathetisch, nach dem Motto „Ich bin auf den rechten Weg gekommen“. Mag ja sein, aber man hätte das wesentlich weniger stereotyp behandeln können. Warum muss Alex von Schule zu Schule reisen und den Leuten erzählen, was ihr passiert ist? Ja, das ist mutig und toll von ihr. Aber ihr Weg dahin wird vollkommen ausgelassen und deshalb wirkte dieser Schritt sehr platt.

Schade, dass das Ende so wenig zufriedenstellend war, denn davon abgesehen hat mir das Buch ziemlich gut gefallen. Aber wenn es auf dem letzten Drittel den Bach runter geht, macht sich bei der Erinnerung an das Buch doch ein bitterer Beigeschmack breit.




„Bitter End“ ist ein weitestgehend gelungener Roman über häusliche Gewalt und den schwierigen Konflikt, in dem man in dieser Situation steht. Ganz zufrieden bin ich aber doch nicht, besonders weil der Abschnitt am Ende des Romans ganz schön platt wirkte. Den Roman kann ich also nur eingeschränkt weiterempfehlen. Auf Jennifer Browns andere Bücher bin ich aber dennoch gespannt – und hoffe, dass sie bei ihnen die ganze Strecke über durchgehalten hat und nicht schon kurz vor Schluss die Luft raus war.


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