[Rezension] Tahereh Mafi - "Shatter Me"

captain cow | Montag, 12. November 2012 | / |

Titel: "Shatter Me"
Autorin: Tahereh Mafi
Deutscher Titel: "Ich fürchte mich nicht"
Reihe: Shatter Me #1
Genre: Young Adult, Dystopia, Fantasy
Seitenzahl: 338
Erscheinungsdatum: November 2011
Verlag: Harper
Format: Paperback
Preis: ca. 7,90 €
ISBN: 9780062114204
Wohltäter: Tanja (Gewinnspiel)

"You can't touch me," I whisper.
I'm lying, is what I don't tell him.
He can touch me, is what I'll never tell him.
But things happen when people touch me.
Strange things.
Bad things.
No one knows why Juliette's touch is fatal, but The Reestablishment has plans for her. Plans to use her as a weapon.
But Juliette has plans of her own.
After a lifetime without freedom, she's finally discovering a strength to fight back for the very first time—and to find a future with the one boy she thought she'd lost forever.

Quelle: Bild, Text





Eine düstere Zukunftswelt; darin eine Heldin, die andere Leute nicht anfassen kann, weil diese sonst in Gefahr geraten? Das erweckte in mir eine seltsame Mischung aus Neugierde und Faszination, aber auch großer Skepsis, denn das klang mir dann doch etwas zu absurd und weit hergeholt. Auch die Rezensionen, die von ziemlich begeistert zu sehr enttäuscht gefächert sind, haben es mir da nicht leichter gemacht. „Shatter Me“ von Tahereh Mafi gewann ich schließlich bei Tanja und so musste ich nicht länger hin- und herüberlegen, ob ich es mit diesem Buch tatsächlich wagen sollte.

Juliette hat seit mehr als 250 Tagen keinen Kontakt mehr zu Menschen gehabt. In einer kargen Zelle ist sie eingesperrt, damit sie vom Rest der Welt ferngehalten wird und niemandem etwas zu Leide tut. Ihre Berührungen lösen bei anderen Menschen Qualen aus, sodass Isolation für Juliette normal ist. Doch dann steckt man sie plötzlich mit einem anderen Gefangenen zusammen – mit jemandem, den sie wiedererkennt. Scheinbar ist er aber nicht das, was er vorgibt zu sein...

Der Einstieg in „Shatter Me“ fiel mir sehr leicht. Tahereh Mafis Schreibstil ist sehr bildreich, atmosphärisch und stellenweise schon fast poetisch. Darüber hinaus sind viele Sätze durchgestrichen – Gedanken, die die Hauptfigur denkt und sich doch nicht eingestehen will, die sie nicht laut aussprechen möchte, usw. Man muss es mögen, dass so viele (teils sehr ungewöhnlichen) Metaphern und stilistischen Mittel verwendet werden. Mir persönlich hat das aber sehr gut gefallen, denn dadurch konnte ich schnell einen Draht zur Hauptfigur finden.

Juliette, die auch Ich-Erzählerin in diesem Roman ist, ist ein sehr nachdenklicher Charakter. Durch ihre Isolation hatte sie immer nur sich selbst und weiß dementsprechend, wie man sich allein und einsam die Zeit vertreibt. Sehr oft ist das ziemlich traurig mit anzusehen, doch von dieser Abgeschiedenheit, Juliettes stiller Resignation und der doch noch immer wieder hervorkeimenden Hoffnung war ich sehr angetan. Zunächst konnte ich mir dennoch nicht vorstellen, dass ihr Fluch in diese Welt passen soll. Aber das tut er doch überraschend gut. Die übernatürlichen Kräfte, die in „Shatter Me“s dystopischer Welt zum Vorschein kommen, passen, wenn man sich auf sie einlässt, ziemlich gut. Vor allem weil die Autorin sich auch mit den Problemen beschäftigt, die Juliette durch ihre Gabe/ihren Fluch hat.

Bei ihrem Bösewicht scheut die Autorin nicht mit schlechten Eigenschaften. Er ist seltsam, besessen, brutal und dann zwischendurch doch wieder außergewöhnlich zärtlich. Ich fand seine Eigenschaften insgesamt etwas zu negativ, denn man kann ihn leicht als den ultimativ Bösen einordnen. Genauso hält es sich leider mit dem System, das in diesem Roman die Gesellschaft unter Kontrolle hält. Einzelne Graustufen gibt es hier nicht; vielmehr die klassische schwarz-weiß Malerei, wie man sie aus vielen unterhaltsamen, aber doch nicht wirklich tiefgehenden dystopischen Romanen bereits kennt. Von diesem Umstand war ich dann doch sehr enttäuscht, denn ein bisschen neuer Wind hätte in der Hinsicht nicht geschadet.

Weniger gut gefiel mir auch die Liebesgeschichte in dem Roman. Adam ist zwar ein wirklich toller Typ und Juliettes völlige Unwissenheit in Sachen Beziehungen, Berührung und Geborgenheit geben dem ganzen etwas Interessantes, doch die Geschichte um ihn und Juliette ist vorhersehbar und nimmt auch zu viel Platz ein. Besser hätte ich es gefunden, wenn die Autorin sich noch etwas mehr mit dem gesellschaftlichen System oder Juliettes Berührungsproblem beschäftigt hätte, statt mit Liebesschwüren die Seiten zu füllen. Denn da passierte etwas, das einem momentan in jedem zweiten Jugendbuch begegnet: Die Heldin verwandelt sich plötzlich in dieses schwärmerische, so perfekte und doch missverstandene Etwas, das eigentlich keiner Fliege etwas zu Leide tun will und doch kaum Ansehen bekommt. Dass Juliette in diesem Roman etwas Superheldenhaftes an sich hat, weiß man schon anfangs, doch diese Gutmütigkeit und innere sowie äußere Perfektion nehmen dem Roman einiges an Tiefe.





„Shatter Me“ ist ein unterhaltsamer dystopischer Roman mit einer Prise Paranormalem. Der Schreibstil ist sehr poetisch und andersartig, dafür bleiben die Figuren und Teile der Handlung leider auf der Strecke. Mir hat das Lesen dennoch ziemlich viel Spaß gemacht und viele Handlungspunkte konnten mich überraschend, sodass ich neugierig auf den zweiten Teil bin. Eine Empfehlung gibt es von mir für all diejenigen, die eine etwas andere paranormale Liebesgeschichte lesen wollen, dabei aber auf einen besonderen Weltenaufbau oder Tiefe verzichten können.


Kommentare:

  1. Deine Rezension klingt trotz "nur 3,5" doch sehr positiv! Ich fand die Liebesgeschichte auch etwas sehr übertrieben, aber naja xD Und der Schreibstil war wirklich super, mal was total anderes ^^

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    1. 3,5 sind für mich aber irgendwie auch immer noch gute Bücher, nur mit ein paar Schwächen halt :)
      Vielen lieben Dank noch mal! Ich glaube, ohne das Gewinnspiel hätte ich das Buch erst sehr viel später (oder vielleicht auch gar nicht) gelesen.

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    2. Gerne ;) Ich verstehe, was du meinst! Ich bewerte seit geraumer Zeit auch nur noch 3 Sterne mäßig oder eben mit Tendenz aufwärts. Irgendwo muss man ja zwischen 3,5 und 4 Sternen unterscheiden, denn da ist oft ein RIESEN Unterschied :)

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  2. Die Grundidee finde ich wirklich interessant, aber nach einigen weniger begeisterten Rezis habe ich das Buch wieder von der Wunschliste gestrichen. Aber ich schließe mich Tanja an: auch wenn du "nur" 3.5 Sterne vergeben hast, macht deine Rezi mir doch wieder Lust auf diese Geschichte. Vielleicht wandert sie doch noch ins Regal :)

    Liebe Grüße,
    Kermit

    PS: Nachträglich noch herzlichen Glückwunsch zu den eigenen vier Wänden!

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    1. Stimmt, es gab auch viele weniger gute Rezensionen. Die kann ich irgendwie auch nachvollziehen, allerdings hat das Buch einfach Spaß gemacht und so etwas ist ja auch mal gut :D Vielleicht packt dich die Neugierde ja doch noch irgendwann...

      Vielen Dank!
      Liebe Grüße

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