[Rezension] John Burnside - A Summer of Drowning

captain cow | Mittwoch, 26. September 2012 | / |

Titel: "A Summer of Drowning"
Autor: John Burnside
Deutscher Titel: "In hellen Sommernächten"
Reihe: -
Genre: Belletristik, Mystery, Contemporary
Seitenzahl: 336
Erscheinungsdatum: März 2012
Verlag: Vintage Books
Format: Klappenbroschur
Preis: ca. 9,20 €
ISBN: 9780099422372
Wohltäter: Papa
Leseprobe
At a critical point in her career, painter Angelika Rossdal suddenly moves to Kvaloya, a small island deep in the Arctic Circle, to dedicate herself to the solitary pursuit of her craft. With her, she brings her young daughter, Liv, who grows up isolated and unable or unwilling to make friends her own age, spending much of her time alone, or with an elderly neighbour, Kyrre Jonsson, who beguiles her with old folk tales and stories about trolls, mermaids and -- crucially for the events that unfold in the summer of her eighteenth year -- about the huldra, a wild spirit who appears in the form of an irresistibly beautiful girl, to lure young men to their doom.

Quelle: Bild, Text





Hoch oben im nördlichsten Norwegen geschehen in einem Sommer seltsame Dinge. Kurz hintereinander ertrinken zwei Brüder, mitten im stillen Meer und auf eine Art und Weise, die alles andere als logisch ist. Für Liv, die die beiden Brüder kannte, ist dieser Sommer auch anders als sonst. Die Schule ist vorbei, aber sie hat keinerlei Vorhaben, dem großen Haus, in dem sie mit ihrer Mutter wohnt, den Rücken zuzukehren. Stattdessen beobachtet sie wie eh und je die Sommergäste und streift durch die menschenverlassenen Weiten des Polarkreises. Dort oben unter der Mitternachtssonne ist es schwer zu unterscheiden, was Realität und Illusion ist. Geschichten über die Huldra, die liebestrunkene Männer in die Tiefen des Meeres zieht, gehen von Mund zu Mund. Sind die alten Geschichten und die Wirklichkeit so eng miteinander verschmolzen, dass sie sich gar nicht klar trennen lassen? Oder spielen Insomnie und Einsamkeit Liv einen Streich und verschieben ihre Wahrnehmung?

Bei dieser Inhaltsangabe hatte ich zunächst eine Mischung aus Thriller und Mystery im Kopf. Spannungsgeladene Szenen versprach ich mir ... doch in dem Maße, wie ich sie mir erhofft hatte, bekam ich sie nicht. Denn „A Summer of Drowning“ ist alles andere als rasant. In den weißen Nächten geht jegliches Zeitgefühl verloren und so kommt es, dass sich die Geschichte nur sehr langsam entwickelt. Schwierigkeiten hatte ich damit jedoch gar keine, zumal die ganze Zeit eine seltsame Spannung herrscht, weil tatsächlich nicht klar ist, was zur Realität gehört und welche Ereignisse reine Illusion sind. Seltsame Dinge geschehen, die man sich bis zum Ende hin nicht erklären kann, und die dem Leser einen Schauer über den Rücken jagen. Weil sie so entrückt wirken und sich durch John Burnsides Schreibstil derart realistisch anfühlen.

Der Schreibstil ist einer der großen Pluspunkte dieses Buchs. John Burnside ist gleichzeitig Romanautor und Dichter und vor allem letzteres merkt man dem Stil an. Ungewöhnliche, aber trotzdem sehr bildhafte Beschreibungen ziehen sich durch den ganzen Roman, sowie ein klarer Blick für’s Detail. Wer rasant erzählte Geschichten mag, wird hiermit nicht seine Freude haben, doch wenn man sich Zeit für die ausführlichen und wirklich sehr schönen Beschreibungen nimmt, setzt sich die kahle Schönheit des Nordens vor dem inneren Auge zusammen und lässt einen nicht mehr los.

Da die Protagonistin und Ich-Erzählerin Liv ein sehr stilles Mädchen ist, die gerne beobachtet und sich darüber Gedanken macht, passen diese Beschreibungen auch sehr gut. Aber Liv selbst ist auch ein sehr außergewöhnliches Mädchen, über das ich gerne gelesen habe. Sie interessiert sich nicht für Mode, Jungs, Partys, Freunde oder andere Dinge, für die sich viele Menschen in ihrem Alter begeistern können. Sie ist lieber allein mit ihren Überlegungen und Beobachtungen, die den Leser zu Gedanken anregen. In einer Passage beschreibt Liv, dass sie glaubt, manche Menschen auf der Welt seien dazu da, Dinge zu sehen – sie nicht festzuhalten oder weiterzuerzählen, sondern sie einfach zu beobachten, damit sie gesehen werden und einer dieser Menschen ist sie. Manchmal sind diese Beobachtungen erschreckend, manchmal sind sie verwirrend und manchmal auch sehr beklemmend, dann aber auch wieder furchtbar schön.

Ich habe das Buch sehr langsam und sehr genau gelesen, weil es eine Verschwendung wäre, diese kunstvoll und gleichzeitig sehr natürlich zusammengeschraubten Sätze nicht in ihrer ganzen Kraft auszukosten. Oftmals musste ich das Buch weglegen und mir über das Gelesene Gedanken machen. Das Buch bleibt mir dadurch sehr stark in Gedanken und ich empfehle jedem, der vorhat, dieses Buch auch zu lesen, es ähnlich zu machen.





„A Summer of Drowning“ erzählt eine sehr ungewöhnliche Geschichte, in der man nie richtig weiß, was Wahrheit und was Illusion ist. Die Hauptfigur ist andersartig und durch die detailgetreuen Beschreibungen taucht man irgendwann so tief in ihre Gedanken ein, dass sie sich wie die eigenen anfühlen. Spannung im klassischen Sinn bietet das Buch nicht unbedingt, doch einen seltsam aufregenden Beigeschmack hat der Roman doch. Ich empfehle das Buch jedem, der sehr poetisch geschriebene Literatur lesen möchte und dabei ein kleines bisschen Geduld aufbringen kann.


Kommentare:

  1. Du kramst immer sehr interessante Bücher aus. Wie kommst du immer darauf? Über Goodreads?
    Klingt nach einem sehr guten Buch für einen verregneten Wochenendtag an dem man sich ganz in Ruhe in ein Buch vertiefen möchte. Ich werde mir diese Buch auf jeden Fall mal merken. Danke für das Fundstück :)

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    1. Manchmal goodreads, manchmal Autorenseiten, öfter aber über den Guardian (die haben ganz tolle Buchrezensionen auf der Internetseite) - von diesem hier hat mein Vater allerdings gehört und mich drauf gebracht :)
      Jaa, du sagst es, für solches Wetter ist das Buch geschaffen! Ich habe es gelesen, als ich in Irland war und da passte die Atmosphäre auch irgendwie ziemlich gut. Nichts zu danken!

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  2. Scheint ein interesannter Roman zu sein. Ich setzte es auf die Wunschliste. Danke für die Rezension.

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    1. Bitte bitte :) Solltest du es lesen, bin ich auf deine Meinung sehr gespannt - und wünsche dir natürlich viel Spaß!

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  3. Das klingt echt nach einem schönen Buch, wobei mich da eher deine Rezension überzeugt, als die Inhaltsangabe :) Ich werd's mir auf jeden Fall merken, danke für den Tipp!
    (Hihi, "Wohltäter: Papa", da musste ich ja ein wenig schmunzeln xD)

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    1. Nichts zu danken :] Die Inhaltsangabe klingt ja jetzt auch nicht soo verlockend, aber irgendwie ist es das Buch trotzdem wert :D

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