[Rezension] Cat Clarke - vergissdeinnicht

grass-harp | Donnerstag, 6. September 2012 | / |

Titel: "vergissdeinnicht"
Autorin: Cat Clarke
Originaltitel: "Entangled"
Reihe: -
Genre: Contemporary Young Adult, Drama
Seitenzahl: 286
Erscheinungsdatum: März 2012
Verlag: Bastei Lübbe
Format: Klappenbroschur
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-7857-6061-1
Wohltäter: Buchtausch
Ein weißer Raum. Und nichts darin als ein Tisch, Stapel von Papier und Stifte. Und Grace. Sie weiß nicht, wie sie in diesen Raum gekommen ist, sie weiß nicht, warum sie dort ist. Und wie sie jemals wieder aus dem endlosen Weiß entfliehen kann. Um nicht verrückt zu werden, beginnt sie, ihre Gedanken niederzuschreiben. Ganz allmählich setzt sich dabei das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammen - und Grace spürt: Um sich befreien zu können, muss sie die ganze Wahrheit über sich selbst herausfinden ...

Quelle: Bild, Text





Grace findet sich in einem weißen Raum wider, mit nichts als einem Bett, einem Tisch... und darauf ein Stapel Papier und ein Stift. Sie weiß nicht, wie und warum sie dort gelandet ist, aber weil sie nichts anderes zu tun hat, beginnt sie zu schreiben – über die Zeit vor dem Raum. Über die Zeit mit ihrer besten Freundin, darüber, wie sie ihren Freund kennengelernt hat und wie die Dinge ihren Lauf nahmen. Und dann ist da noch Ethan, der wortkarge Junge, der ihr Mahlzeiten bringt und mehr oder weniger für sie sorgt. Aber egal, wie oft sie ihn fragt – warum er sie festhält, will er ihr nicht sagen...

„vergissdeinnicht“ ist so ein Buch, das ein ganz gemeiner Köder ist. Ein ungewöhnliches und wunderschönes Coverdesign machen auf das Buch aufmerksam und wenn man die Inhaltsangabe und vielleicht auch die ersten paar Sätze gelesen hat, möchte man es kaum aus der Hand legen. Liest man aber ein bisschen weiter und schaut unter die Oberfläche, wird schnell klar, dass das Buch gar nicht so außergewöhnlich ist. Klar, da ist Grace, die keine ganz gewöhnliche Protagonistin ist. Sie hat Stärken und Schwächen und ist keinesfalls auf Anhieb Sympathieträgerin, weil sie sich oftmals unangebracht verhält. Das macht sie auch sehr realistisch – und man sollte meinen, dass diese Dinge auch Voraussetzungen dafür sind, dass man sich für ihre Geschichte interessiert. Ein bisschen stimmt das auch, aber insgesamt konnte mich Grace kaum berühren. Ihr Verhalten konnte ich stellenweise ganz und gar nicht verstehen und wirkte für mich oftmals aufgesetzt, um die Handlung spannender oder dramatischer zu machen.

Spannung kommt in der Geschichte auch häufig auf, was nicht zuletzt an den Cliffhangern und vielen Andeutungen liegt, die auf das spätere Geschehen schließen lassen. Das macht sie mitreißend, und doch hatte ich schon recht bald heraus, in welche Richtung der Roman gehen wird, was die Andeutungen irgendwann sehr unnötig machte. Spätestens dort erkennt man dann auch, dass „vergissdeinnicht“ keine ungewöhnliche, sondern eine klischeehafte Geschichte erzählt. Berührend oder traurig ist sie nur in Maßen, weil sie einem nichts Neues erzählt. Die Autorin stellt eine Sichtweise dar, die es vorher bereits zuhauf gab und den Leser kaum zum Nachdenken bringt. Sie beinhaltet all die typischen Probleme, die man als Teenager durchlaufen kann, erklärt sie aber nicht wirklich, sondern schrammt nur oberflächlich an der Masse vorbei. Ich mag Problembücher für gewöhnlich, aber „vergissdeinnicht“ bringt einfach keine neuen Ansichten und wirkt extrem inszeniert.

Cat Clarkes Schreibstil bietet dabei auch keine Innovation. Er ist sehr umgangssprachlich, was zur Ich-Erzählerin passen könnte, würde sie nicht mehrmals betonen, dass sie schon immer sehr gerne geschrieben hat. Die prollige Ausdrucksweise macht die Lektüre nicht gerade angenehm, zumal sie so unbeholfen und gekünstelt wirkt. Ein bisschen schiebe ich die Schuld aber auch der Übersetzung zu, denn vielen Redewendungen und Formulierungen merkt man an, dass sie wörtlich aus dem Englischen übersetzt worden sind.





„vergissdeinnicht“ ist ein Buch, das ich ganz schnell wieder vergessen kann, denn bis auf eine für die heutige Jugendliteratur nicht ganz typische Hauptfigur und einer ebenfalls ungewöhnlich offenen Einstellung zu Sex bringt der Roman wenig Neues. Die Handlung ist eine Abhandlung stereotypischer Probleme, die mich kaum berührt oder zum Nachdenken gebracht hat und die Erzählweise ist aufgesetzt jugendsprachlich.

Kommentare:

  1. Schade, dass das Buch so enttäuschend war. Bislang stand es auch noch auf meiner Wunschliste, doch so wie du es beschreibst, wäre es wohl keine Bereicherung, deshalb lasse ich lieber die Finger davon. Dennoch schöne und gut begründete Rezension :)

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    1. Ja, irgendwann hat es mich richtig wütend gemacht :/ Vielleicht würde es dir ja sogar gefallen, schließlich fanden viele das Buch eher gut als schlecht, aber für mich war es wirklich gar nicht das richtige :/
      Danke :]

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  2. Ich fand das Buch nicht schlecht, sehe aber die selben "Probleme" wie du...das Buch kann man sich auch getrost sparen ;P

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    1. Ach, da bin ich erleichtert, dass du das ähnlich siehst. Ich war schon vollkommen verwirrt, weil das Buch ja fast nur gute Rezensionen bekommen hat :]

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  3. Irgendwie dachte ich mir schon, dass hinter diesem Hype nicht viel Gutes steckt. Danke für die ehrliche und aufklärende Meinung. Das Buch wird es wohl nicht mehr auf meinen SUB schaffen, da gibt es doch Interessanteres.

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    1. Bitte bitte :) Ja, es gibt wirklich Interessanteres - und vor allem gibt es so viele tolle Jugendbücher, die sich mit ernsthaften Problemen beschäftigen und dabei weniger klischeehaft und tiefgründiger sind. Für die sollte man sich dann eher die Zeit nehmen :]

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  4. Bisher habe ich irgendwie nur eher negative Rezensionen zu diesem Buch gelesen. So richtig interessant fand ich es eh nicht und da ich mich in der Regel sehr auf deine Meinung verlassen kann, werde ich es auch nicht mehr näher ansehen.
    Dann erstmal viel Erfolg bei der WG-Sucher :) (Auch wenn das im anderen Post stand).

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    1. Echt? Ich hatte den Eindruck, dass es fast nur Positives gibt. Aber probieren muss man es hiermit, denke ich, wirklich nicht. Da gibt es hunderte besser gelungene Problemjugendbücher.
      Vielen Dank :)

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  5. Hallo Hannah, erstmal danke für deinen Kommentar auf meinem Rezensionsblog :} Ja, das Buch von Sarah Kuttner war für mich eine ziemliche Enttäuschung, aber ich habe mir wegen des Covers so viele Hoffnungen gemacht. Es tut mir immer total leid, böse Rezensionen schreiben zu müssen, weil ich eigentlich ungern anderen Menschen von Büchern abrate, weil letzten Endes eine Rezension auch nur meine subjektive Meinung darstellt und die ja eben nicht für alle gilt.
    Deine Erfahrung mit diesem Buch hier scheint ja auch irgendwie nicht gut gewesen zu sein. Aufgesetzte Sprache und wenig innovative Handlung sind wirklich absprechende Punkte, danke für die Rezension ;)

    LG Juls

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  6. Das ist mal`ne andere Rezi als ich sie bisher kenne. Eigentlich kenne ich von Bloggern nur gute bis sehr gute Bewertung. Mich hat das Buch nie sonderlich interessiert und ich bin jetzt nur noch sicherer, das ich es nicht lesen werde ;)

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    1. Ja, so ähnlich ging's mir auch. Aber lesen muss man es echt nicht unbedingt, nimm dir lieber für was anderes Zeit :P

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