[Rezension] Deborah Harkness - A Discovery of Witches

grass-harp | Samstag, 11. August 2012 | / |

Titel: "A Discovery of Witches"
Autorin: Deborah Harkness
Übersetzung: "Die Seelen der Nacht"
Reihe: All Souls Trilogy #1
Genre: Urban Fantasy, Romance
Seitenzahl: 720
Erscheinungsdatum: September 2011
Verlag: Headline UK
Format: Taschenbuch
Preis: ca. 7,99 €
ISBN: 9780755374045
Wohltäter: Der Kapitän
»It begins with absence and desire. It begins with blood and fear. It begins with a discovery of witches. «
When historian Diana Bishop opens an alchemical manuscript in the Bodleian Library, it's an unwelcome intrusion of magic into her carefully ordered life. Though Diana is a witch of impeccable lineage, the violent death of her parents while she was still a child convinced her that human fear is more potent than any witchcraft. Now Diana has unwittingly exposed herself to a world she's kept at bay for years; one of powerful witches, creative, destructive daemons and long-lived vampires. Sensing the significance of Diana's discovery, the creatures gather in Oxford, among them the enigmatic Matthew Clairmont, a vampire genticist. Diana is inexplicably drawn to Matthew and, in a shadowy world of half-truths and old enmities, ties herself to him without fully understanding the ancient line they are crossing. As they begin to unlock the secrets of the manuscript and their feelings for each other deepen, so the fragile balance of peace unravels...

Quelle: Bild, Text





Vampire sind als Thema seit einiger Zeit schon fast wieder out. Auch ich war nach den vielen Büchern zu dem Thema irgendwann übersättigt und demnach erst einmal etwas skeptisch, ob „A Discovery of Witches“ ein Buch für mich ist. Allerdings kommen da ja auch Hexen vor, darüber hinaus steht ein Buch im Mittelpunkt und einige Rezensentinnen meines Vertrauens hatten es schon für gut befunden. Nach einer Leseprobe überkam mich dann doch die Neugierde und ich las das Buch.

„A Discovery of Witches“ ist sicherlich ein Roman, bei dem sich die Meinungen trennen. Die mehr als 700 Seiten der englischen Taschenbuchversion sind gefüllt mit Informationen. Die Handlung schreitet zwar auch weit voran, doch es gibt auch viele Abschnitte, auf denen sich die Protagonisten über ihre vielen Leidenschaften unterhalten. Man erfährt also etwas über die Geschichte der Alchemie, über biologische und molekulare Besonderheiten der verschiedenen Kreaturen, über Wein und viele andere Dinge. Solche Exkurse können schrecklich langweilig sein, doch da die Autorin scheinbar Ahnung von diesen Dingen hat, waren sie für mich ganz interessant zu lesen. Zudem kann man sich so ein besseres Bild von den Hauptfiguren machen, indem man ihre Interessen nachzuvollziehen lernt.


Auch mit den Figuren selbst kann man so seine Probleme haben. Die Protagonistin Diana kommt einer Mary Sue gefährlich nahe, mit ihren vielen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Zwar hat die Autorin das perfekte Bild von ihr schon damit abgeschwächt, dass Diana ihre zahlreichen Fähigkeiten kaum kontrollieren kann, doch das führt zu Hilflosigkeit ihrerseits, der von dem männlichen Helden natürlich sehr gerne mit Beschützerinstinkten begegnet wird. Auch Matthew ist auf den ersten Blick kein untypischer Romanheld. Als uralter Vampir hat er schon vieles gesehen und überstehen müssen und hat – zumindest was einige Aspekte anbelangt – eher veraltete Vorstellungen. Auch mich hat das zwischenzeitlich immer wieder gestört, dass die Autorin sich hier der so beliebten aber auch leider schon etwas zu oft verwendeten Kombination bedient.

Glücklicherweise hat sie den beiden aber auch einige Eigenheiten gegeben – zum einen sind da ihre bereits erwähnten Leidenschaften, über die sie sich gerne mal über mehrere Seiten hinweg austauschen. Die Begeisterung, mit der Matthew über sein Forschungsfeld der Biologie und Medizin redet, konnte ich ihm stets abnehmen. Auch Dianas Enthusiasmus für die Geschichte der Wissenschaft passt zu ihr. Und – so typisch sie sein mag – aus ihrer Sicht zu lesen macht wirklich Spaß. Sie ist eine bodenständige Frau, hat ihre ernstzunehmenden Probleme und geht nicht kopflos durch die Welt. Ihre Mary-Sue-haftigkeit hat mich deshalb nur stellenweise gestört; insgesamt habe ich aber gerne aus ihrer Perspektive gelesen.

Sieht man mal von den teilweise typischen Hauptfiguren ab, ist Deborah Harkness eine äußerst gute Charakterisierung gelungen. Die große Zahl an Nebenfiguren könnte zu einigen Verwirrungen führen, doch sie sind allesamt sehr individuell gestaltet, sodass es mir nicht schwer fiel, die vielen Namen und Eigenschaften im Kopf zu behalten.

Auch die Entwicklung der Figuren konnte ich weitestgehend nachvollziehen. Die Handlung im ersten Band ist wahrlich ein Ritt durch Höhen und Tiefen, die nicht nur Matthew und Diana ganz schön beeinflusst. Andere Figuren müssen ebenfalls einen Wandel durchstehen, der nicht immer ganz leicht, meistens jedoch nachvollziehbar ist. Dass Diana und Matthew sich auf diesem komplizierten Weg ebenfalls schneller näherkommen als unter anderen Umständen kann ich da durchaus verstehen. Ganz in den Kopf wollten mir die überstürzten Gefühle aber trotzdem nicht. Anfangs dümpelt noch alles vor sich hin, doch dann geht es plötzlich ziemlich schnell und man muss sich immer wieder in Gedanken rufen, dass sich die beiden doch eigentlich erst seit ein paar Wochen kennen.

Trotz einiger Kritikpunkte konnte ich aber gar nicht anders, als das Buch so schnell wie möglich zu verschlingen. Das liegt nicht zuletzt an der atemberaubenden Kombination aus Wissenschaft und Magie, die sich als roter Faden durch das gesamte Buch zieht. Beide Protagonisten sind Wissenschaftler und das merkt man dem Buch an. Dadurch kommt auch neuer Schwung in das Buch und gibt ihm eine einzigartige Atmosphäre. Nicht unerheblich ist dabei auch der angenehme Schreibstil der Autorin, der die langen Beschreibungen wie im Fluge vorbeigehen lässt. Deborah Harkness schreibt lebendig, bildhaft und wortgewandt, sodass die vielen Kulissen – die Universitätsstadt Oxford und die Bodleian Library, alte Burgruinen und das herbstliche Neu-England – in meinem Kopf zum Leben erwacht sind.





„A Discovery of Witches“ ist ein Roman, der Wissenschaft und Magie auf gelungene Art und Weise verbindet. Die mythologische Welt mag nicht ganz neu sein und auch die Hauptfiguren sind nicht gänzlich neuartig, doch durch bestimmte Ergänzungen der Autorin entsteht hier ein sehr andersartiger Roman, der mich mit seiner Atmosphäre in den Bann gezogen hat. Leser die actionreiche Romane bevorzugen, in denen alles Schlag auf Schlag kommt, wird dieser Roman kaum beeindrucken können. Aber Fans von ruhigeren Geschichten und all jenen, die mal einen etwas anderen Urban-Fantasy-Roman lesen wollen, kann ich „A Discovery of Witches“ nur empfehlen!


Kommentare:

  1. Vielen Dank für deinen Eindruck! Ich war immer sehr skeptisch, was "Seelen der Nacht" betrifft. Vor allem die vielen Details haben mich eher abgeschreckt. Aber ich denke ich werde es bei Gelegenheit einfach mal versuchen und mir ausleihen. Die Fortsetzung müsste im Original ja gerade erschienen sein?

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    1. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob dir das Buch gefallen würde. Du solltest auf jeden Fall etwas Geduld mitbringen. Ausleihen ist deshalb sicherlich gut und auf Deutsch ist es wahrscheinlich noch etwas einfacher zu lesen, weil Deborah Harkness' Englisch nicht ganz einfach ist. Ich bin gespannt, was du davon halten wirst.
      Ja, die Fortsetzung ist im Juli erschienen. Ich warte noch auf die billigere Taschenbuchausgabe :] Anscheinend soll die deutsche Übersetzung im nächsten Jahr erst erscheinen.

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  2. Mir hat das Buch auch seht gut gefallen...ja, es ist sehr detailrecih, aber ich fand es keine Minute langweilig. Ich freue mich schon auf teil 2.....
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Das ist gut :D Ich fand es auch nicht wirklich langweilig, war aber auf die vielen Beschreibungen auch vorbereitet und generell habe ich auch kein soo großes Problem mit so ausführlichen Geschichten :] Ich freue mich auch schon auf den zweiten Teil - wartest du auf die deutsche Übersetzung?

      LG

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  3. Hm, ich schrecke immer noch vor dem Buch zurück - gerade weil es so dick ist. Iwie kann mich sowas in der letzten Zeit nicht so recht motivieren. Aber interessant klingt es definitiv, wenn ich mir Deine Rezension so durchlese!

    LG
    Monika

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    1. Vielleicht gibst du dem Buch etwas Zeit, bis du wieder etwas mehr Lust auf derartige Wälzer hast, weil es auf den vielen Seiten nicht immer rasant zugeht :) Aber ausprobieren kannst du es ja trotzdem mal.

      LG

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  4. Ich habe es auf deutsch gelesen und war auch beeindruckt. Ich Fand es zwar ab und an doch sehr langgezogen aber es ging noch.
    Toller Eindruck und Liebe grüße
    Jessi

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    1. Ich war auf die vielen Details vorbereitet, deshalb fand ich es gar nicht so schlimm und irgendwie fand ich es auch toll, so viel über die Hauptfiguren zu erfahren und richtig in ihr Leben einzutauchen. Wirst du den zweiten Band auch lesen?

      LG

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    2. Ja wahrscheinlich werde ich den auch lesen. Ich will ja schon wissen wie es weiter geht.
      Und die Autorin schreibt ja auch sehr angenehm.
      LG

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  5. Hach, ich war schon so gespannt, was du genau dazu schreibst ;-)
    Wie schon gesagt: Es freut mich natürlich, dass dir das Buch auch gut gefallen hat :-)
    Deine Kritikpunkte kann ich sehr gut nachvollziehen!
    Diana ist mit all ihren Fähigkeiten und Besonderheiten objektiv gesehen eine Mary Sue. Aber anders als Hauptpersonen au anderen Büchern, auf die das auch zutrifft, war sie mir trotzdem immer sehr sympathisch. Ich denke, das liegt, wie du geschrieben hast, an ihrer bodenständigen Art. Sie nimmt sich selbst nicht so wichtig, finde ich, wie die üblichen Mary Sues und hatauch (wenn auch eher wenig) Fehler, z.B. fand ich sie sehr stur.

    Wirst du die Übersetzung demnächst lesen? Ich habe beim Verlag nach der dtsch. Übersetzung nachgefragt und will jetzt warten, bis diese voraussischtlich im Frühjahr 2013 rauskommt :)

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    1. Vielen Dank noch mal für deine Empfehlung und es freut mich, dass du die Rezi nachvollziehen kannst. Stimmt, einige Fehler hat sie dann doch und sie ist eben sehr bodenständig. Ich bin mal gespannt, wie sie sich im zweiten Teil weiterentwickelt.

      Aw, also hast du dich entscheiden :D Ich will die Fortsetzung eigentlich bald auf Englisch lesen, allerdings möchte ich noch warten, bis die Taschenbuchausgabe etwas billiger geworden ist. Ich bin zwar neugierig, brenne aber nicht sofort darauf es zu lesen, sodass ich so lange noch warten kann :]

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  6. Ich stand schon so oft vor dem Buch und habe mir überlegt ob ich es kaufen soll oder nicht. Habe nämlich auch schon viel negatives über das Buch gehört, deine Rezi klingt aber jettz so positiv. :)

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