[Rezension] Amanda Howells - Der Sommer der silbernen Wellen

captain cow | Montag, 30. Juli 2012 | / |

Titel: "Der Sommer der silbernen Wellen"
Autorin: Amanda Howells
Originaltitel: "The Summer of Skinny Dipping"
Reihe: The Summer of Skinny Dipping #1
Genre: YA Contemporary, Liebe, Freundschaft, Coming of Age
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: Juli 2012
Verlag: Fischer FJB
Format: Hardcover
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3-8414-2138-8
Wohltäter: Fischer Verlag
»Manchmal erwache ich fröstelnd in den frühen Morgenstunden, gefangen in Träumen, in denen ich draußen im Ozean schwimme, hinauf zum Mond blicke und mich unsichtbar und frei fühle wie ein Fisch.
Doch ich greife vor. Um diese Geschichte richtig zu erzählen, muss ich ganz zurück an den Anfang gehen. An einen Ort namens Indigo Beach. Zu einem Jungen mit blasser Haut, die in den dunklen Wellen schimmerte. Zu dem Beginn von etwas, das keiner von uns voraussehen konnte, das uns für immer prägte und wodurch alles, was hinterher und vorher geschah, zu einem anderen Leben zu gehören schien …
Ich war sechzehn, und ich erinnere mich an alles.«

Quelle: Bild, Text





Mia verbringt mit ihrer Familie zum ersten Mal seit Jahren den Sommer am Strand. Um genauer zu sein in Southampton, wo ihre Tante und Onkel ein Haus haben. In ihrer Kindheit hat Mia dort jeden Sommer verbracht, gemeinsam mit ihrer Cousine Corinne gespielt und den Strand unsicher gemacht. Doch jetzt scheint ihre Cousine sich verändert zu haben – Geld, Mode und Partys sind ihr wichtiger geworden, sodass sie für Mia kaum noch Zeit hat. Aber auch Mia fühlt sich zwischen den gertenschlanken und überaus modebewussten Freundinnen ihrer Cousine nicht wohl. Auf ihren einsamen nächtlichen Spaziergängen lernt sie Simon kennen, der die überkandidelten, reichen Leute in den Southamptons ebensowenig berauschend findet. Zwischen Mia und Simon entwickelt sich eine zarte Freundschaft.

Es gibt Bücher, die einen von Anfang an begeistern können – mit ihrer ungewöhnlichen Idee, einem tollen Stil oder einem interessanten Protagonisten begeistern sie einen sofort. Dann gibt es auch die Bücher, bei denen man Geduld aufbringen muss, weil sie erst einmal ins Rollen kommen müssen. “Der Sommer der silbernen Wellen” gehört zu letzter Kategorie.

Amanda Howells’ Schreibstil ist wunderschön und einnehmend. Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendbuchautorinnen bedient sie sich nur weniger umgangssprachlicher Wendungen. Stattdessen ist ihre Erzählweise stellenweise fast poetisch. Mit ihren atmosphärischen Formulierungen versetzt sie den Leser in die Kulisse, die Mia um sich hat: Die träge Sommerhitze, salzige Brandung und lauen Abende.

Dennoch ist es schwer in das Buch hineinzukommen, was hauptsächlich an Mia liegt. Sie hat etwas Mary-Sue-haftes an sich, mit ihrer Höflichkeit und Schüchternheit. Sie ist unsicher und der Meinung, alle anderen wären besser als sie, während andere sie doch beneiden. Auf der anderen Seite ist Mia so ehrlich zu sich selbst, dass es doch angenehm ist, aus ihrer Sicht zu lesen. Ihre Beobachtungen der jungen High Society Southamptons sind interessant zu verfolgen – ein bisschen erinnern diese Stellen an Gossip Girl und sind demnach sehr amüsant. Aber nur eine Weile lang. Denn irgendwann wiederholen sich die Beschreibungen, irgendwann wiederholen sich Mias Selbstreflexionen und Gedanken in diesen Situationen. Mehr Abwechslung wäre speziell an dieser Stelle besser gewesen oder man hätte die Passagen einfach kürzen können.

Glücklicherweise entwickelt sich Mia jedoch weiter und so werden diese sich wiederholenden Stellen immer seltener. Das passiert ungefähr zur Hälfte des Buchs und ab dort konnte mich der Roman auch mitreißen. Die nächtlichen Spaziergänge, die Mia und Simon unternehmen, sind wundervoll beschrieben, ihre Dialoge sind glaubwürdig und erfrischend und das Buch erlangt mehr Tiefe. Mias Gefühle werden nachvollziehbarer, der Ton wird nachdenklicher und es passieren Dinge, die man nicht erwartet hat. Die zweite Hälfte steht im kompletten Gegensatz zur ersten – nimmt man anfangs noch an, es würde sich um ein einfaches Sommerbüchlein handeln, süß aber oberflächlich, legt der Roman auf der Mitte eine 180-Grad-Wendung hin. Auf der Durststrecke am Anfang durchzuhalten, lohnt sich also.





Auch wenn es anfangs anders scheint, ist “Der Sommer der silbernen Wellen” ein sehr berührender Roman. Emotionale Tiefe und der poetische Schreibstil machen das Buch zu mehr als leichter Sommerlektüre, trotz der etwas stereotypischen Hauptfigur. Ich würde das Buch Contemporary YA Fans empfehlen, die auf die Individualität der Protagonistin etwas weniger Wert legen und einfach eine atmosphärische, sommerliche Geschichte lesen wollen.


Kommentare:

  1. Klingt ganz interessant. Momentan ist mir manchmal nach solchen Büchern, die zwar nur 3-4 Punkte bekommen, aber einfach schön zu lesen sind. Das Cover hat mir schon ganz gut gefallen, aber da darf man ja nichts drauf geben. Aber so, werde ich mir den Kauf nochmal überlegen :)

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    1. Ja, solche Buecher koennen auch ganz gut sein, weil man sie bald wieder vergisst und sie einen nicht so mitnehmen. Vielleicht ist dieses Buch hier ja ebenso fuer dich :D

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  2. Hey Hannah,
    ohh, das Buch interessiert mich auch sehr. Und Geduld habe ich bei Büchern meistens. Hatte ja gerade mit John Greens "Das Schicksal ist..." einen sehr berührenden Roman und kann von solchen Bücher auch nie genug bekommen. Danke für deine aussagekräfitge Meinung.
    LG,
    Damaris

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    1. Aw, John Green ist wunderbar - und, um ehrlich zu sein , noch mal 10 Stufen hoeher als "Der Sommer der silbernen Wellen". Aber wenn du Geduld hast und ein weiteres beruehrendes Buch lesen moechtest, ist dieses Buch hier sicherlich auch gut geeignet. Falls du es lesen solltest, bin ich gespannt, wie es dir gefallen wird.

      LG

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  3. Ok, trotz des nicht ganz überzeugenden Einstiegs klingt das doch gar nicht schlecht. Besonders was den Schreibstil und die sommerliche Atmosphäre betrifft. Ich behalt´s auf jeden Fall im Auge und kann wieder einmal sagen: eine wundervolle Rezension bei der ich richtig in Stimmung komme - das Buch betreffend. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Jaa, also wenn du Lust auf nachdenkliche und verträumte und irgendwie doch sommerliche Lektüre hast, dann solltest du das Buch mal ausprobieren. Schlussendlich ist es doch sehr schön und man behält es in Gedanken, vor allem wegen des Endes :]
      Vielen Dank, es freut mich, dass sie dir gefällt!

      LG

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