[Rezension] Gudrun Pausewang - Au revoir, bis nach dem Krieg

grass-harp | Samstag, 19. Mai 2012 | / |







Hardcover | 224 Seiten
Erschienen im Januar 2012
im Gerstenberg Verlag
Preis: 14,95 € | Leseprobe
ISBN: 978-3-8369-5444-0








Hanni liebt Philippe und Philippe liebt Hanni. Aber niemand darf davon erfahren, denn es herrscht Krieg und Philippe ist ein französischer Kriegsgefangener, der auf dem Anwesen von Hannis Familie arbeitet. Wenn die Liebe zwischen Hanni und dem jungen Studenten aus Paris bekannt würde, könnte das schlimme Folgen haben - nicht nur für die beiden. Jegliche »Fraternisierung« mit den Gefangenen ist untersagt und Liebesbeziehungen zwischen Franzosen und deutschen Frauen werden streng bestraft. Schließlich wäre das Verrat an den deutschen Männern, die an der Front ihr Leben für Volk und Vaterland einsetzen.
Hanni und Philippe müssen sich trennen, zumindest vorläufig. Aber sie werden einander wiedersehen, wenn der Krieg zu Ende ist - bestimmt!
Eindringlich und schnörkellos greift Zeitzeugin Gudrun Pausewang in ihrem Jugendroman einen weniger bekannten Aspekt des Krieges auf.





„Au revoir, bis nach dem Krieg“ erweckte meine Aufmerksamkeit mit seiner Kombination aus Titel, Cover und Inhalt. Ich finde Literatur, die im zweiten Weltkrieg spielt, sehr interessant und erhoffte mir bei „Au revoir, bis nach dem Krieg“ einen Roman, der nicht zu realitätsfern ist und mir ein paar Sinneseindrücke dieser Zeit vermitteln kann. Gleichermaßen machte mich die verbotene Liebe, von der auf dem Klappentext die Rede ist, sehr neugierig.

Hanni lebt in einer deutschen Familie, die einen Steinbruch und damit verbunden auch ein großes Grundstück besitzt. Bei Ausbruch des Krieges muss der Steinbruch geschlossen werden und ihr größerer Bruder, sowie ihr Vater müssen in den Krieg. Die Arbeit wird für Hanni und ihre verbleibende Familie zu viel, sodass sie das Angebot, einen französischen Kriegsgefangenen bei sich arbeiten zu lassen, nicht ablehnen. Verboternerweise verliebt sich Hanni jedoch in ihn und bringt damit viele Menschen in Gefahr.

Bevor es allerdings zu dieser Liebesgeschichte kommt, beschäftigt sich ein Viertel des Buchs mit der Zeit kurz vor dem Krieg, als Hannis Bruder und Vater noch zu Hause sind. Auf jedes Mitglied der Familie wird in den Beschreibungen wert gelegt und so lernt man vom Dackel über die Großmutter bis zum Verwalter des Steinguts hin alle kennen. Schlecht ist das nicht, denn so hat man von Hannis Umfeld sofort ein gutes Bild vor Augen. Gut umgesetzt ist es allerdings auch nicht, denn zu jedem werden nur wenige Details genannt, sodass man die Komplexität dieser Figuren nicht erfährt. Darüber hinaus lernt man durch die Beleuchtung der vielen Figuren Hanni selbst kaum kennen. Obwohl sie die Hauptfigur des Romans ist, bleibt sie daher ziemlich blass.

Auch über den Rest des Buchs hinweg konzentriert sich die Autorin nicht nur auf Hanni, sondern bezieht auch die anderen Familienmitglieder mit ein – fast genau so sehr wie Hanni. Man hat mit „Au revoir, bis nach dem Krieg“ also eher eine Familiengeschichte vor sich als die eines jungen Mädchens im zweiten Weltkrieg.

Sehr interessant hätte das sein können, wenn die Erzählweise nicht so kalt und unpersönlich gewesen wäre. Gudrun Pausewangs Beschreibungen der Umgebung und anderer Sinneseindrücke mochte ich zwar, denn sie waren weder zu ausführlich noch zu kurz. Allerdings wird auf Gefühle nur grob eingegangen. Überdramatische Beschreibungen hätten diesem Buch zwar auch nicht gut getan, aber ein wenig mehr Emotionen hätte ich mir doch gewünscht. So las sich das Buch nämlich mehr wie ein Tatsachenbericht und man konnte nur schwer Anteil an den Figuren nehmen.

Man muss zu dem Tatsachenbericht aber sagen, dass er wenigstens eins nicht ist – unrealistisch. Die Entwicklungen in der Geschichte und der Figuren sind sehr glaubwürdig. Auch das Ende passt sehr zum Rest des Buchs und zerstört den Eindruck nicht durch zu viel Drama oder ein unpassendes Happy End.



„Au revoir, bis nach dem Krieg“ liegt ein interessantes Konzept zu Grunde. Die Umsetzung dessen ist allerdings weniger gelungen, denn durch den Erzählstil der Autorin war es für mich schwer, eine persönliche Beziehung zu diesem Buch und seinen Figuren aufzubauen. Dringend weiterempfehlen kann ich den Roman daher nicht.



Ich bedanke mich vielmals beim Gerstenberg Verlag für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Die Inhaltsangabe hatte mich jetzt glatt neugierig gemacht, obwohl ich Bücher mit so geringer Seitenzahl eigentlich ungern lese. Aber was du zur Erzählweise schreibst, würde mich dann wiederu eher abhalten ... Vielleicht werde ich mal in unserer Bcherrei danach schauen :-)

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    1. Ach, es gibt auch tolle mit geringer Seitenzahl :D Die Bücherrei ist hierbei sicherlich ganz gut :) Viel Spaß, falls du es bald lesen solltest!

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    2. Auf jeden Fall :-) Aber wenn das Budget knapp ist, bringe ich es nur schwer über mich mein Geld für ein ganz dünnes Buch auszugeben, das ich dann so schnell durchhabe, wenn gleichzeitig auch schöne dicke Wälzer zur Auswahl stehen.
      Danke; aber ich denke, es wird noch ein bisschen dauern, bis ich es lese :)

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  2. Von Gudrun Pausewang musste ich mal in der Schule vor Ewigkeiten "Die letzten Kinder von Schewenborn" lesen. Das Buch war so grausig, davon habe ich heute noch Albträume :D Hat mich echt geschockt damals, aber ich glaube mich zu erinnern, dass es auch sehr kalt und distanziert geschrieben war. Eine gute Rezension, das Buch würde mich aber nicht interessieren, das Cover ist aber irgendwie toll :D

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    1. Aw, echt? Ich kenne nur "Die Wolke", aber das fand ich eigentlich okay. Aber scheint irgendwie eine Eigenheit der Autorin zu sein, so zu schreiben... Schade irgendwie.

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  3. ja man, ich find es immer so faszinierend wie man mit liedern, genauso wie mit gerüchen oder geschmäckern sachen in der vergangenheit verbindet :)

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  4. Hey,
    ich hab schon einige Buecher mehr von Pausewang gelesen und kann dir sagen, dass im Grunde alle ihre Buecher so sind. Dass sie nicht sonderlich in die Details geht, hat mich dabei nie gestoert. Ich habe sie mal auf einer Lesung kennengelernt und wenn man anfaengt mit ihr zu diskutieren, versteht man, was ihre Buecher so interessant macht. Ich denke, ihr geht es nicht darum, ein "besonders tolles" Buch zu schreiben, sondern viel mehr darum, Themen zu behandeln, die viel zu sehr in Vergessenheit geraten. Wie du in deiner Inhaltsangabe geschrieben hast, ist auch das wieder ein Aspekt, der gar nicht so bekannt ist ueber den Krieg.
    Pausewang hat auch ueber ihr Leben in Suedamerika berichtet, wo sie als Lehrerin gearbeitet hat. Ich habe mal den Roman "Das Tor zum Garten der Zambreros"(bin mir beim Namen nicht mehr ganz sicher) gelesen. Hier wird so richtig klar: Ihre Buecher macht vor allem das lebensechte aus. Es sind keine richtig schillernden und ausfuehrlichen Beschreibungen. Es geht nicht darum, die Charaktere kennenzulernen. Im Grunde koennte es naemlich jedem so ergangen sein. Hier geht es viel mehr darum, einen Aspekt des Lebens zu begreifen, der viel zu wenig beleuchtet wird.
    In dieser Hinsicht kann mich deine Kritik gar nicht abschrecken. Ich freue mich, dass mal wieder ein Werk von ihr erschienen ist, dass ich lesen kann.

    Btw: "Adi- Die Jugend eines Diktators" ist ein sehr interssantes Werk ueber die Jugend Hitlers. Wie sie selbst schreibt muss nichts wirklich so gewesen sein, aber sie haelt sich doch seeeehr an viele bekannte Fakten und daher kann ich es weiterempfehlen. Die Kinder von Schewenborn und Die Wolke sind hier ja bereits genannt. "Reise im August" waere noch interessant, aber da gibt es meiner Meinung nach bessere Buecher, die das Thema behandeln...

    Lg Shira

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    1. Hallo Shira (:

      Erstmal herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort. Was du so schreibst, war mir bisher noch gar nicht so bewusst. Umso besser, dass ich es jetzt weiß.
      Das Thema ist auch wirklich sehr interessant und berichtet über einen Aspekt, der nicht soo bekannt war. Allerdings fällt es mir sehr schwer, so ein Buch in Erinnerung zu behalten, wenn es mir in fast allen Bereichen einfach nicht zugesagt hat. Ich brauche Lebendigkeit in einem Buch und die war hier leider kaum vorhanden. Deshalb auch die Kritik. Natürlich kann es jedem so ergangen sein - in dieser Kategorie habe ich auch schon Bücher gelesen, in denen die Figuren eher einen Sachverhalt demonstrieren. Aber selbst da war mehr Leben vorhanden. Hier blieb für mich alles leider einfach nur blass.
      Wenn dir ihre anderen Werke, die in der Hinsicht sehr ähnlich sind, auch schon gefallen haben, denke ich, dass das hier sicherlich auch etwas für dich ist. Ich wäre mal gespannt auf deine Meinung, solltest du es in nächster Zeit lesen (:

      Vielen Dank für den Tipp. Ich werde mich mal dazu umsehen, auch wenn mich die Erfahrung mit diesem Buch hier etwas abgeschreckt hat.

      Liebe Grüße
      Hannah

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  5. Ich glaube Autoren wie Gudrun Pausewang geht es meist überhaupt nicht um großartige Figurenentwicklung sondern darum einen bestimmten Sachverhalt (oder eine fiktive Situation) zu schildern, um eine bestimmte Message herüberzubringen bzw. zum Nachdenken anzuregen. Zumindest hatte ich bei Die Wolke auch das Gefühl, das du hier beschreibst. Ein anderes Beispiel, das mir einfällt, ist Die Welle. Die Charaktere da waren auch superflach, aber irgendwie ging es dem Autor wohl eher darum die Situation zu schildern.

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    1. Das kann gut sein - aber irgendwie bin ich damit echt nicht klargekommen. Durch die kaum authentischen Figuren konnte ich das Buch kaum auf mich wirken lassen. Und dadurch läuft dann die Schilderung der Situation (in meinen Augen) auch ein wenig schief. Aber man muss sich wohl darauf einlassen und es mögen, dann hat das ganze Konzept mehr Erfolg :/

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    2. Kann ich gut verstehen, wenn dir das nicht zusagt. Ich fand Die Welle aus diesen Gründen z.B. auch sehr unbeeindruckend (weil mich die Figuren mit ihrer Flachheit sogar genervt haben).
      Wenn man aber vorher weiß, worauf man sich da einlässt, finde ich solche Bücher "einfacher" zu lesen :)

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    3. Das stimmt. Leider war ich mir dessen vorher nicht bewusst und wurde so ziemlich enttäuscht :/ Na ja, für das nächste Mal weiß ich jetzt Bescheid...

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  6. Cover und Inhaltsangabe finde ich sehr interessant/schön. Schade, das es in der Umsetzung dann nicht ganz begeistern kann. Ich denke jedoch, dass ich gerade bei dieser kalten Grundstimmung/Umschreibung ähnliche Probleme bekommen könnte. Das ist für mich meistens ein wichtige Punkt, also, dass ich mich in die Chraktere einfühlen kann. Gefühle sind mir in Büchern doch wichtig. Danke also für die ausführliche wie toll geschriebene Rezi!

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. So ging es mir auch - und wie du habe ich es ganz gern, wenn ich wenigstens ein bisschen mitfühlen kann oder mich das Buch in irgendeiner Weise berührt.
      Ich glaube deshalb auch nicht, dass "Au revoir" ein geeignete Buch für dich wäre :/

      Liebe Grüße!

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