[Rezension] Tracy Deebs - Tempest 01. Tochter des Meeres

captain cow | Sonntag, 22. April 2012 | / |







Hardcover | 352 Seiten
Erschienen im März 2012
im Planet Girl Verlag
Preis: 14,95 € | Leseprobe
ISBN: 978-3-522-50257-3







Seit sie denken kann, erfüllt Tempest eine tiefe Sehnsucht nach dem Meer. Das geheimnisvolle Erbe ihrer Mutter, einer Wassernixe, lässt sie nicht mehr los. An ihrem 17. Geburtstag ist sie gezwungen, eine Wahl zu treffen: Für ein Leben an Land mit ihrer Familie und ihrem Freund Marc oder ein Leben in der faszinierenden Welt des Ozeans ...



„Tempest – Tochter des Meeres“ ist ein Buch, das ich womöglich gar nicht wahrgenommen hätte, wenn ich es nicht gewonnen hätte. Was eigentlich schade ist, denn Meereswesen finde ich sehr interessant und die fantastische Literatur ist in der Hinsicht noch kaum ausgeschöpft. Umso gespannter war ich also, als ich „Tempest“ in den Händen hielt. Meine Erwartungen wollte ich jedoch nicht ins Unermessliche wachsen lassen, auf Grund der Altersangabe für das Buch (ab 13 Jahren) und dem Klappentext, der auf ein typisches Romantasybuch schließen lässt.

Im Großen und Ganzen läuft „Tempest“ auch ziemlich nach dem Schema F ab. Ein Mädchen, das ein insgesamt glückliches Leben führt, aber mit dem mysteriösen Erbe ihrer Mutter zu hadern hat. An einem bestimmten Punkt in ihrem Leben – in diesem Fall der 17. Geburtstag – muss sie zwischen ihrer menschlichen Seite wählen und dem Meeresgeschöpf, das in ihr schlummert. Da ihre Mutter vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist, verspürt Tempest alles andere als einen Drang dazu, zur gleichen Kreatur wie sie zu werden. Schließlich ist sie als Mensch glücklich. Leider ist es nicht so einfach, die fischige Kreatur zu ignorieren, denn fremde Mächte greifen ein und Tempest findet sich in einem abenteuerlichen Kampf wider. Eine Dreiecksgeschichte bahnt sich ebenfalls an und vervollständigt das Schema.

Keine besonders innovative Handlung also, die jedoch ein wenig Unterhaltung verspricht. Ich war allerdings überrascht, wie gut mir Tracy Deebs Umsetzung gefiel. Schon allein der Umstand, das Tempest nicht das unwissende Menschenmädchen ist und in eine Welt hineinkatapultiert wird, mit der sie eigentlich nichts am Hut haben sollte, sondern Teil dieser Welt ist, gibt der Geschichte eine etwas andere Wendung. Die Idee zu den Meereswesen ist größtenteils unverbraucht und so gefiel mir der Blick, den man mit Tempest auf den Meeresgrund wirft. Zwar gab es da hin und wieder ein paar kleine Logikfehler und allzu viel erfährt man über die Unterwasserwelt dann auch wieder nicht. Doch dafür gibt es ja dann die Folgebände, zumal genug Fragen beantwortet werden, um sich diese andere Welt zumindest grob vorzustellen. Darüber hinaus gab es vor allem am Ende der Geschichte Punkte, die mich überraschen konnten und die ich in diesem Buch definitiv nicht erwartet hatte.

Als Hauptcharakter gefiel mir Tempest sehr gut. Sie ist kein scheues Mädchen und lässt sich nicht leicht unterkriegen. Das Surfen ist ihre größte Leidenschaft und so steht sie auch gerne mal morgens um fünf Uhr auf, um mit ihren Freunden vor Schulbeginn die ersten Wellen zu reiten. Alles in allem fand ich auch die Leidenschaft zu diesem Sport sehr gut nachvollziehbar. Auch ihre restlichen Charaktereigenschaften waren gut ausgewogen. Tempest ist weder das typische hilflose Mädchen, von dem es in den Fantasyjugendbüchern zahlreiche Reinkarnationen gibt, aber auch nicht die starke, unnahbare junge Frau. Vielmehr bewegt sie sich irgendwo zwischen diesen beiden Typen, wodurch es sich für mich als interessant und angenehm gestaltete, aus ihrer Perspektive zu lesen.

Zunächst kamen mir die anderen Buchcharaktere jedoch wie Klischees vor. Doch wenn man an einer Stelle über die Beschreibung einer Figur als gottgleich, perfekt und himmlisch hinwegliest, legt sich das sehr schnell wieder. Ganz individuellen, authentischen Figuren begegnet man in „Tempest“ zwar nicht, doch blasse Abziehbilder sind es auch nicht.

Einen großen Teil zum Unterhaltungsfaktor hat aber vor allem der Stil beigetragen. Er passt zur Ich-Erzählerin Tempest und ist leicht zu lesen. Die Wortwahl ist weder jugendlich noch zu abgehoben und mit sarkastischen Kommentaren angereichert, die mich hin und wieder zum Lachen bringen konnten. Auf der anderen Seite wird jedoch stets gut auf Tempests Gefühle eingegangen. Doch auch das Umfeld und die anderen Charaktere werden nicht vernachlässigt und so ergab sich schon bald ein sehr stimmiges Bild in meinem Kopf. Lediglich vielfältigere Beschreibungen der Unterwasserwelt hätte ich mir gewünscht, denn die waren in meinen Augen auf Dauer einseitig.

Da die Geschichte mich vor allem zum Ende hin mit Handlungspunkten überraschen konnte, die ich bei diesem Buch nicht erwartet habe, und sehr unterhaltsam war, bin ich gespannt auf den zweiten Teil. Es ist zum Glück kein Cliffhanger, der das Buch abschließt, doch einige Fragen bleiben trotzdem offen. Ich bin gespannt, wie die Geschichte um Tempest, Kona & Co. Weitergehen wird.



„Tempest. Tochter des Meeres“ gefiel mir überraschenderweise ziemlich gut. Insbesondere die fantastische Richtung, in die das Buch geht, der Hauptcharakter, sowie der amüsante Schreibstil machten die Lektüre unterhaltsam. Dennoch ist „Tempest“ im Grunde genommen nichts Neues, und so kann ich jedem, der die Nase voll hat von Romantasy, von dem Buch abraten. Besonders Neulingen und Fans des Genres, sowie jüngeren Lesern könnte der Roman aber gut gefallen.


Kommentare:

  1. Näää, lieber nicht... Hört sich nach Einheitsbrei an. :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich würd's dir auch nicht unbedingt empfehlen. Ich lese in der Richtung in letzter Zeit weniger, deshalb langweilt es mich nicht soo sehr, aber es ist kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss ^^

      Löschen
    2. Für mich ist es dann wohl erst Recht nichts, da ich oft ziemlich feststecke in diesem Romantasy :) Naja, Meerjungfrauen interessieren mich so oder so nicht so :)

      Löschen
  2. Okay, dann schmort es wohl eher weiter in meinem SuB ungelesen rum :) Danke für die Rezi und das Abraten ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hmm also wenn man eine unterhaltsame Fantasygeschichte lesen will, dann ist dieses Buch hier schon gut und bestimmt besser als andere in dem Genre. Aber es ist kein Must-Read :D Trotzdem vielen Dank für den Gewinn; er hat mir ein paar spaßige Lesestunden beschert :D

      Löschen
    2. Das ist schön :) Ich finde es immer ganz schrecklich, wenn man ein Buch verschenkt, es dann aber nicht gut ankommt :)

      Löschen
    3. Also, ich hab das Buch gelesen und fand es super. Das Problem ist bloß das am Ende eine Meerjungfrau und ein Halb Mensch halb Robbe wesen zusammen ist. Aber es gibt keinen 2 Teil.

      Löschen
  3. Das Buch wird höchstwahrscheinlich nichts für mich sein und wandert deswegen auch nicht auf meine Wunschliste, aber dennoch fand ich es ziemlich interessant mal eine Rezension von dir zu solch einem Buch zu lesen. Das kommt ja nun nicht so häufig vor ;)
    Freut mich aber, dass es dich schlussendlich doch unterhalten konnte. Manchmal reicht das ja auch voll und ganz.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nach deinen negativen Rezensionen über Bücher aus dem Genre würde ich dir auch davon abraten. Es ist defintiv nicht DIE Ausnahme bei paranormalen Jugendbüchern.
      Ich fand es unterhaltsam, deshalb auch die Bewertung. Ich habe eindeutig schon schlimmeres gelesen und Meereswesen finde ich eh interessant ^^

      Löschen
  4. Da Meerjungfrauen eh nicht so mein Ding sind und ich von diesen ganzen Einheitsbrei Büchern etwas die Sch...voll habe im Moment werde ich zu diesem Buch wohl nicht greifen. Aber das Cover finde ich hüpsch ;)
    Danke für die Rezi und liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich lese ja auch viel in anderen Genres, deshalb bin ich davon noch nicht soo gesättigt. Ich halte mich zwar auch meistens zurück, aber ab und an darf es dann schon gerne mal was aus dem Genre sein. Trotzdem - wenn du die Nase voll davon hast, dann lass es lieber :]

      Liebe Grüße

      Löschen
  5. Ah, also nix für mich. Allerdings konnte ich der Nixenkram bisher eh noch nicht so für sich gewinnen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn Meereswesen ohnehin nicht dein Ding sind, dann lass es lieber :)

      Löschen
  6. hey!
    hab deinen blog durch zufall entdeckt und wir haben was gemeinsam. Bücher!übrigens wunderschönes blogdesign!!!werde sicher öfter mal vorbeischauen.

    lg
    summer

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hihi Bücher sind schon was tolles :D Freut mich, dass dir mein Blog und das Design gefallen und ich freue mich über weitere Besuche deinerseits :D

      Liebe Grüße!

      Löschen
  7. Ganz lieben Dank für deine ehrliche Rezension. Ich habe viel Unterschiedliches über TEMPEST gehört, aber dennoch bin ich weiterhin daran interessiert, herauszufinden, wie ich es wohl finden könnte. Gerade weil ich noch so wenig über Meerjungfrauen etc. gelesen habe, hoffe ich, dass ich vielleicht dazu komme, TEMPEST irgendwann in diesem Jahr zu lesen. :D

    Carina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie gesagt, es ist nichts ganz Neues, aber unterhaltsam war es auf jeden Fall. Hoffentlich kommst du bald zu dem Buch und hast hoffentlich ebenso viel Spaß damit wie ich! :) Es liest sich aber wirklich sehr schnell :D

      Liebe Grüße

      Löschen
  8. Ich lese das Buch gerade auf Englisch und finds voll gut =)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist toll :D Ich wünsch dir weiterhin noch viel Spaß damit!

      Löschen
  9. Ich muss sagen, dass mich, obwohl ich Fantasy-Vielleserin bin, Romane über Meereswesen irgendwie nie wirklich gereizt haben. Da lese ich sogar lieber über Vampire, die auf meiner imaginären Liste der liebsten phantastischen Wesen schon relativ weit unten stehen ;-) Seit mich "Im Zauber der Sirenen" so enttäuscht hat, wird es wohl auch so bleiben. Trotzdem fand ich deine Rezension sehr nachvollziehbar und gut geschrieben!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich glaube, da hat jeder so seine Vorlieben. Vampire finde ich nicht so schlimm, sie reizen mich aber nicht mehr. Meereswesen gehören schon seit langem zu meinen Lieblingsfantasywesen :] Aber wenn sie dich nicht so reizen, dann lass besser die Finger von dem Buch.

      Löschen
  10. Ich dachte ja eigentlich, ich hätte allmählich die Mädchengesichter auf dem Cover satt. Aber hier bei "Tempest" fällt es einem wieder ins Auge und ist wirklich schön gemacht. An sich finde ich Bücher über Meeresmythen immer interessant, aber so ein wenig schreckt mich das Schema F dann doch ab. Vielleicht ertausche ich es mal, oder findes günstig gebraucht :)

    Vielen Dank für den schönen Eindruck!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hab die Gesichter eigentlich auch satt, aber "Tempest" ist mal eine positive Ausnahme. Tauschen oder gebraucht kaufen sind sicherlich gute Alternativen. Auch das englische Original ist sicherlich billiger und die Sprache kam mir auf Deutsch nicht schwer vor, also dürfte es leicht zu verstehen sein :)

      Liebe Grüße

      Löschen
  11. "Tempest" ist mir schon öfters aufgefallen, aber bisher hat es nie in den Einkaufskorb geschafft. Ich lese hin und wieder zwar gerne Romantasys, doch wenn ich ständig lesen muss, dass jemand göttergleich oder himmlisch ausschaut - und das mehr als zehnmal -, dann bin ich leicht ernüchtert. Es kommt also immer ganz auf die Umsetzung an. Klingt jetzt nach keinem wirklich schlechten Buch, aber ich denke, ich verpasse nicht viel, wenn ich es erst einmal bleiben lasse. Wieder mal eine schöne Rezi, die einen guten Einblick verschafft. :)

    LG Reni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Tempest" ist wirklich kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss. Es ist ein schönes Buch für zwischendurch mit ein paar verzeihbaren Schwächen, aber definitiv kein Meisterwerk :] Für mich war es als Abwechslung mal ganz schön, weil ich in dem Genre seltener unterwegs bin, aber es gibt auch bessere Romantasybücher :)

      LG
      Hannah

      Löschen
  12. Das hört sich wirklich interessant an, vielleicht finde ich das ja auch bald in meiner Sammlung :)

    AntwortenLöschen