[Rezension] Stan van Elderen - Warum Charlie Wallace?

grass-harp | Mittwoch, 7. März 2012 | / |






Klappenbroschur | 208 Seiten
Erschienen am 4. März 2009
im Hanser Verlag
ISBN: 978-3-446-23311-9
Preis: 14,90 €






Als er Charlie das erste Mal begegnet, ist Jonathan gleich beeindruckt von dessen lockerer, lebenslustiger Art. Er selbst ist ganz anders, verschlossen und grüblerisch. Trotzdem ziehen sie gemeinsam durch New York, besuchen das Museum of Modern Art, Ground Zero, den Zoo - und Orte, die Jonathan sonst sicher nicht aufsuchen würde. Charlie kommt mit allen ins Gespräch und bringt jeden zum Reden. Vielleicht sogar Jonathan, der im Internat etwas erlebt haben muss, worüber er nicht sprechen will ... Eine Geschichte über Freundschaft und ein aufregender Spaziergang durch den Big Apple.



Ich begegnete dem Buch „Warum Charlie Wallace?“ auf mehreren Blogs – die Rezensionen dazu waren mäßig bis gut – und blätterte einmal in der Bibliothek etwas darin herum. Überaus ansprechend fand ich es zwar nicht, dennoch klang es nach einem interessanten, realistischen Jugendbuch.

 Irgendwie ist es auch genau das. Interessant und realistisch, allerdings auch nicht atemberaubend oder gar außergewöhnlich. Aus Jonathans Sicht erlebt man die Geschichte, die erste Begegnung mit Charlie Wallace und lernt diesen Schritt für Schritt besser kennen. Charlie ist ein sehr selbstsicherer Junge, der auf seine Meinung beharrt, sehr neugierig und offen ist und keine Scham kennt. Die eine oder andere Situation, in die er sich und Jonathan gebracht hat, empfand ich als überaus interessant – dennoch ist mir sein Charakter schlussendlich zu glatt. Denn Charlie entwickelt sich in der kurzen Zeit, in der sich die Geschichte abspielt, kaum. Seine Aktionen regten zwar hin und wieder zum Nachdenken an, dennoch fehlten mir an ihm Ecken und Kanten.

Umso interessanter fand ich dafür Jonathan. Obwohl die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird, findet man Stück für Stück mehr über ihn heraus und selbst am Ende der Geschichte ist man sich nicht ganz darüber im Bilde, was er eigentlich für ein Typ ist. In „Warum Charlie Wallace?“ empfand ich das nicht als negativ, sondern eher positiv. Man konnte sich selbst Gedanken um diese Figur machen und aus den Häppchen, die einem hingeworfen werden, ein Bild von ihm zeichnen. Darüber hinaus ist er ein überaus realistischer Charakter – nicht immer liebenswürdig, dennoch sehr glaubwürdig. Ein wenig erinnert er mich an Holden Caulfield aus „Der Fänger im Roggen“.

Ohnehin kam mir „Warum Charlie Wallace?“ ein wenig wie eine modernere, etwas schwächere Version dieses Klassikers vor. Beide weisen keinen klaren roten Faden auf, sondern stellen den Hauptcharakter, dessen Bekanntschaften und Gedanken in den Vordergrund. Das hat mir an „Warum Charlie Wallace?“ auch gefallen, ebenso wie der Umstand, dass es den Leser über ungewöhnliche oder ganz banal alltägliche Dinge nachdenken lässt.

Allerdings bleibt das Buch auch hinter seinem Vorbild zurück. Obgleich der Schreibstil angenehm zu lesen ist, wirkt er lange nicht so einnehmend wie der von J. D. Salinger. Und auch in seiner Substanz kann „Warum Charlie Wallace?“ den Sprung zu den außergewöhnlichen Büchern nicht schaffen. Auch wenn da ein sehr starkes, unerwartetes Ende ist, das den Leser dann doch etwas in Gedanken versinken lässt.



„Warum Charlie Wallace?“ ist eine interessante Lektüre für zwischendurch, die nicht ganz oberflächlich, allerdings auch nicht sehr tiefgängig ist. Wer nach einer charakterbezogenen, ruhigen Lektüre sucht, macht mit dem Buch nichts falsch – allerdings gibt es auf dem Gebiet auch durchaus bessere Romane.

Kommentare:

  1. Ich denke Cover und Preis spielen in solchen Fällen auch eine große Rolle. Bei "Angel" bzw. "Dämonen des Lichts" kommt es aufs gleiche raus. Ich mag beide Cover und preislich liegen sie auch beide im gleichen Bereich. Was bei mir oftmals den Ausschlag gibt, ist die Lesedauer. Ich kriege wie gesagt immer ein schlechtes Gewissen wenn ich zu einem dickeren englischen Buch greife weil ich ganz genau weiß das ich dafür länger als für ein deutsches brauche.

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  2. Danke für die Rezension. Es ist auch immer gut zu wissen, welche Bücher man nicht unbedingt lesen muss. Für mich wird es wohl eher nichts sein, da ich schon von "Der Fänger im Roggen" nicht übermäßig begeistert war.

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    1. Jaa :] Kann einem ja auch nicht alles gefallen... Wenn dir "Der Fänger im Roggen" nicht so gut gefallen hat, dann denke ich, dass dieses Buch hier auch nicht unbedingt etwas für dich ist :/

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