[Rezension] Moira Young - Dust Lands I: Blood Red Road

captain cow | Montag, 19. März 2012 | / |






Taschenbuch | 459 Seiten
Erschienen im Juni 2011
bei Margaret K. McElderry Books
Preis: ab 7,30 €
ISBN: 9781442429994







Saba has spent her whole life in Silverlake, a dried-up wasteland ravaged by constant sandstorms. The Wrecker civilization has long been destroyed, leaving only landfills for Saba and her family to scavenge from. That's fine by her, as long as her beloved twin brother Lugh is around. But when four cloaked horsemen capture Lugh, Saba's world is shattered, and she embarks on a quest to get him back. Suddenly thrown into the lawless, ugly reality of the outside world, Saba discovers she is a fierce fighter, an unbeatable survivor, and a cunning opponent. Teamed up with a handsome daredevil named Jack and a gang of girl revolutionaries called the Free Hawks, Saba’s unrelenting search for Lugh stages a showdown that will change the course of her own civilization.




Guckt man in ein x-beliebiges Buch über kreatives Schreiben findet man, zusammengefasst, in etwa folgende Anweisungen für ein gutes Buch:
  • Gestalten Sie die Charaktere so, dass der Leser sich für sie interessiert. Interessiert sich der Leser für sie und ihr Schicksal, dann liegt es nahe, dass die Geschichte sie mitreißt
  • Überlegen Sie sich eine Kernaussage/Prämisse des Romans und überlegen Sie, wie Sie diese dem Leser nahe bringen können.
  • Bauen Sie einen Plot auf. Mehrere Ereignisse, die durch Aktionen und Reaktionen verbunden sind.
  • Streuen Sie nebensächliche Ereignisse ein. Man sollte zwar einen klaren roten Faden haben, muss ihn aber nicht strikt befolgen.
  • Vermeiden Sie trotzdem unnötige Szenen.
  • Und das wichtigste: Show, don’t tell! (wenn es um Charaktereigenschaften geht – nicht einfach aufzählen, sondern in Situationen zeigen).

Beim Lesen von „Blood Red Road“ hatte ich zunehmend das Gefühl, dass Moira Young sich an genau so einen Plan hält. Keine Frage, die Geschichte ist unterhaltsam und bietet ihre spannenden Punkte. Sie ist so aufgebaut, dass man weiterlesen möchte und gepackt wird. Spannende Elemente wechseln sich mit ruhigeren, erklärenden Sequenzen ab. Wenig Überflüssiges ist in diesem Buch aufzufinden – die Handlung ist relativ straff gehalten, aber auch nicht so, dass man als Leser außer Atem kommt.

Die aufgebaute Welt in ferner Zukunft, wenn die Zivilisation schon zerstört ist und die Gesellschaft sich deshalb zurückentwickelt, ist gut entworfen. Hier und da zwar mit stark fantastisch angehauchten Wesen und insgesamt eher einfach gehalten – aber immerhin ist sie in sich schlüssig und nicht so, wie man sie in vielen Romanen bereits kennen gelernt hat. Der Roman vermittelt einige moralische Werte (hübscherweise sind in meiner Ausgabe hinten ein paar Vorschläge für Diskussionsrunden zu dem Buch enthalten) – wie weit geht man, um die zu retten, die einem wichtig sind? Wie weit kann Vertrauen reichen?, etc.
Und auch über die Charaktere kann man nicht meckern. Die Protagonistin Saba ist ein Sturkopf, die manchmal unausstehlich ist, deren Schicksal einen aber doch interessiert. Die Leute, die sie auf ihrem Weg begleiten, decken eine große Palette von Typen ab: Unausstehliche Speichellecker, mutige Helden, eigensinnige, kluge und intelligente Menschen. Ein geheimnisvoller Typ. Allesamt sind sie leicht voneinander zu unterscheiden...

Aber leider sind diese Charaktere auch sehr einfach in Schubladen zu stecken. Schwarz und Weiß – so ist diese Zukunftswelt in Moira Youngs Roman aufgebaut. Es wird eine recht klare Linie zwischen Gut und Böse gezogen und würde man die Charaktere in eine Arena mit vielen anderen Buchcharakteren werfen, würde man nur einen kleinen Teil aus der Masse herauspicken können. Denn die Charaktere sind nicht einzigartig, nicht so gezeichnet, dass sie im Kopf des Lesers verweilen.

Und auch die Handlung haut einen nicht um. Sie ist nicht langweilig – aber stellenweise leider sehr vorhersehbar. Denn „Blood Red Road“ wirkte auf mich wie eine sehr konstruierte Geschichte. Manchmal fühlte ich mich beim Lesen als würde ich auf das Gerüst des Romans blicken – nicht schlecht anzusehen, aber leider auch sehr durchschaubar und nicht unbedingt umwerfend.

Allerdings gibt es da einen Punkt, der ganz selten in Schreibratgebern angesprochen wird – der Schreibstil. Und mit dem überrascht Moira Young. Er ist voller Fehler – was Rechtschreibung und Grammatik anbelangt –, die Anführungszeichen fehlen und die Sätze sind sehr knapp gehalten. Anfangs hat mich das noch arg gestört, doch irgendwie gewöhnte ich mich dran und fand es nach einer Weile sogar sehr interessant, wie die Autorin es schafft, Sabas Charakter darüber zu vermitteln. Eine wirklich außergewöhnliche Idee, die vielleicht nicht jedem zusagt, aber diesem Buch auf jeden Fall noch mal etwas Aufschwung gibt.




„Blood Red Road“ ist ein unterhaltsames, aber leider auch sehr kurzweiliges Buch. Es zu lesen macht Spaß und erfordert wenig Nachdenken oder Kopfarbeit. Wer eine actionreiche, nicht ganz zimperliche Geschichte sucht, ist hier auf jeden Fall an der richtigen Stelle. Die Innovation innerhalb der Dystopien sollte man aber nicht erwarten, zumal das Buch wenige dystopische Elemente aufweist, sondern eher fantastisch ist. Mich konnte das Buch zwar unterhalten, aber in die vielen Lobeshymnen kann ich nicht miteinstimmen. Dafür empfand ich „Blood Red Road“ doch eher als zu durchschnittlich.


Kommentare:

  1. Wirklich schöne Rezension! Mir ging es mit dem Buch sehr ähnlich. Ohne den merkwürdigen Schreibstil hätte es mir sicherlich besser gefallen. Aber das ändert auch nichts an den geringen Informationen über die Welt und der doch herrschenden Gefühlskälte.

    Wirst du die Reihe fortsetzen?

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    1. Danke :)
      Mir war es einfach in gewisser Weise zu vorhersehbar und typisch. Es gab irgendwie keinen richtigen Überraschungsmoment, aber mein Weltbild hat sich durch das Buch auch nicht verändert oder sonstiges :/

      Ich weiß es noch nicht genau. Ich habe ja die Hoffnung, dass es vielleicht noch besser wird... Genau weiß ich es aber nicht. Ich werde wohl erstmal ein paar Rezensionen abwarten.

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  2. Ich liebe deinen Buch-Blog und schätze es sehr, wie viel Zeit und Mühe du hier reinsteckst. Würde ich auch gern machen, finde aber momentan überhaupt keine Zeit... na ja, vielleicht nach dem Abi :)

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    1. Danke *rot werd* Das freut mich ungemein!
      Nach dem Abi ist bestimmt (hoffentlich) etwas mehr Zeit. Viel Durchhaltevermögen wünsche ich dir noch bis dahin!

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  3. wow, du hast deine meinung echt gut aufgebaut, hut ab :D auf die idee muss man erstmal kommen :)
    und ich glaube, das buch werde ich mir erstmal nicht zu gemüte führen. mich hat das mit dem schreibstil und den fehlern ein bisschen abgeschreckt und auch alles andere klingt zwar nicht schlecht, aber auch nicht nach "muss ich lesen". :D danke für die schöne rezension! :)

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    1. Hihi, ich wollte mal vom klassischen Schema abweichen :)
      Ich würd das Buch vielleicht mal zum Ausleihen empfehlen, wenn grad nichts anderes Gutes da ist. Aber so toll war es dann doch nicht :]

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  4. Das Buch ist zwar seit langem auf meiner Wunschliste, doch habe ich in der Zwischenzeit einige durchwachsene Rezensionen gelesen. Ich weiß, dass es einige gibt, die es einfach nur lieben, doch auch viele, die solche Probleme mit BLOOD RED ROAD hatten wie du.

    Danke für deine ehrliche Rezension! Ich denke, dass ich diesem Buch schon irgendwann mal eine Chance geben werde, aber immerhin bin ich vorgewarnt und so werde ich vielleicht nicht enttäuscht. :D

    Carina

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    1. Hoffentlich kann dir das Buch dann mehr zusagen als mir. Aber in der englischen Version sind die Fehler wirklich arg, darauf muss man sich einstellen.

      LG

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  5. Ich schließe mich an, ein interessanter und sehr schöner Aufbau der Rezension!
    Wegen des spannend klingenden Inhalts hatte ich damals überlegt, "Dustlands" vorzubestellen. Aber dann kamen zum Glück einige Rezensionen, in denen der ungewöhnliche Schreibstil angesprochen wurde und ich war mir schnell sicher, dass es kein Buch für mich ist. Die Leseprobe hat mich dann in dieser Entscheidung noch bestärkt - mir wäre der Stil zu ...eigenartig.

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    1. Irgendwie kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das Buch etwas für dich ist. Abgesehen davon, dass es in meinen Augen nun wirklich nichts ganz Besonderes ist. Da gibt es momentan weitaus bessere Dystopien in den Buchläden.

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  6. ich weiß noch nicht, ob ich die reihe fortsetze, weil ich auch ganz deiner meinung bin und mir das buch nicht so gut gefallen hat :)

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    1. Hach, eine Leidensgenossin x)
      Ich bin mir echt unsicher - einerseits bin ich schon ein bisschen neugierig, andererseits gibt es so viele andere bessere Reihen und Bücher, denen ich meine Zeit widmen möchte :/

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  7. Hey, bin grad auf deinen Blog gestoßen: Toll ist es hier.
    Wie ich sehe magst du auch Schmetterlinge, find ich gut :)
    Würde mich freuen, wenn du auch mal bei mir vorbei schauen magst...
    LG
    Lesefee

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  8. Hach, schade! Ich fand das Buch ja super - sehr spannend und mal angenehm ohne die sonstige Gefühlsduselei. :) (Ich weiß, Jack war da, aber wirklich romantisch war's ja nicht. xD Was ich als positiv empfinde!) Mich hatte das Buch schlichtweg sehr gut unterhalten, auch wenn ich prompt unterschreiben würde, dass eine keine Dystopie ist. Aber nun ja, so ist das mit den Meinungen. ;) Wenigstens lag's nicht am Schreibstil! -lach-

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    1. Den Stil fand ich wirklich nicht schlecht. Anfangs habe ich mehrmals über ihn geflucht, doch dann gewöhnt man sich wirklich daran. Aber na ja, den Rest fand ich gut, aber nicht beeindruckend :] Wobei die fehlende Romantik doch ein Pluspunkt war - passte halt irgendwie zu Saba und Jack x)

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