[Rezension] Ilsa J. Bick - Ashes

grass-harp | Mittwoch, 15. Februar 2012 | / / / / / / / / |






Hardcover | 502 Seiten
Erschienen im August 2011
im INK Verlag
ISBN: 9783551582317
Preis: 19,99 €






Die siebzehnjährige Alex befindet sich auf einer Wanderung in den Bergen, als plötzlich die Natur um sie herum verrücktspielt und eine Druckwelle sie zu Boden wirft. Was war das? Alex hat keine Ahnung, aber sehr schnell wird klar, dass die Welt, die sie kannte, nicht mehr existiert. Die meisten Städte sind zerstört und die Überlebenden werden zur lauernden Gefahr. Das Einzige, worauf Alex noch zählen kann, ist ihre Liebe zu Tom. Gemeinsam versuchen die beiden, sich durchzuschlagen. Doch dann wird Tom verwundet, und Alex muss ihn schweren Herzens zurücklassen, um sein Leben zu retten. Als sie mit Hilfe zurückkehrt, ist er verschwunden. Eine packende Suche beginnt. Eine Suche nach Antworten, sich selbst und nach der einen ganz großen Liebe. Denn Alex weiß: Tom lebt, und sie wird ihn finden, komme, was wolle ...





„Ashes“ ist ein Buch, auf das ich durch die vielen positiven Rezensionen in der Bloggerwelt aufmerksam geworden bin. Von dem Buch wurde so geschwärmt, dass ich schließlich doch mit dem Gedanken spielte, mir das Buch zu kaufen. Zumal der Inhalt wirklich sehr ansprechend klingt – eine Dystopie, die nicht in der fernen Zukunft spielt, sondern heutzutage... nur eben mit einer kleinen, aber sehr entscheidenden Veränderung. Zwar überschwemmen Dystopien den Buchmarkt momentan, doch diese Horrorszenarien gleichenden Abenteuergeschichten, in denen sich ganz normale Protagonisten durch eine komplett veränderte Welt schlagen müssen, sind noch relativ selten aufzufinden.

Auch nach dem Lesen finde ich noch immer, dass „Ashes“ kein Roman ist, der sich in den Dystopientrend einreiht und dabei untergeht. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen ist da das Grundgerüst, das mich definitiv beeindruckt hat. Ein elektromagnetischer Stoß bringt die Welt, wie wir sie kennen, zu einem Ende – und sorgt für erschreckende Wendungen. Zombiehafte Jugendliche bewegen sich durch die Gegend, Menschen sterben plötzlich in Massen. Die, die von diesen Veränderungen verschont werden, müssen zusehen, dass sie in der neuen Weltordnung überleben – und sich gegen die anderen behaupten. Denn die Ressourcen sind knapp.

Den Plot und wie Ilsa J. Bick diesen umgesetzt hat, finde ich sehr beeindruckend. Vor allem weil man als Leser anfangs noch einen Einblick in die Normalität bekommt, sind die Veränderungen umso stärker zu spüren und umso erschreckender. Der Kampf um die Lebensmittel und anderen Utensilien, die man zum Leben dringend braucht, ist sehr realistisch dargestellt. Hier hat es mir auch gut gefallen, dass die Autorin nicht auf Brutalität verzichtet, um das Buch zugänglicher zu machen. Die harte Realität ist eben anders – erschreckender, grausamer. Im Gegensatz zu vielen Dystopien, denen anhand der beschriebenden Gewalt anzumerken ist, dass es Jugendbücher sind, wird in „Ashes“ nichts verharmlost.

Auch die Charaktere sind nicht die üblichen Verdächtigen, denen man sonst in den Dystopien und Jugendbüchern häufig begegnet. Die Protagonistin Alex leidet unter einem Hirntumor, ist alles andere als naiv mädchenhaft und hat eine Vorliebe für das Wandern. Für ihr Alter ist sie schon sehr reif, was ich beim Lesen oftmals entspannend fand. Keine unrealistischen Panikausbrüche, kein sinnloses Rumgezicke.

Auch die anderen Charaktere, denen Alex im Laufe der Geschichte begegnet, fand ich – größtenteils – sehr glaubwürdig dargestellt. Ellie, das junge Mädchen, für das Alex plötzlich verantwortlich ist, und Tom, dessen Weg sie kreuzen. Beide empfand ich trotz ihrer Macken als realistisch gezeichnete Charaktere.

Nun, dennoch gab es trotz dieser vielen positiven Eigenschaften auch einige Dinge, die mich an dem Buch erheblich gestört haben. Zum einen ist das Ilsa J. Bicks Art zu schreiben. Leider ließen mich viele Gefühlsbeschreibungen und die Schrecklichkeit der Situationen weitestgehend kalt, weil ich ihren Stil wenig überzeugend fand. Die Emotionen sind zwar beschrieben, doch bei mir wollten sie einfach nicht ankommen.

Ein weiterer Minuspunkt sind die Andeutungen auf zukünftige Ereignisse, die oftmals an den Kapitelenden standen. Wenn ich eins nicht leiden kann, dann so etwas: Cliffhanger, die spätere Handlungen vorgreifen. Eigentlich sollen diese ja die Spannung steigen, aber mich veranlassten sie oft genug dazu, das Buch wegzulegen. An Spannung hat es diesem Buch ansonsten nämlich definitiv nicht gefehlt. Deshalb fand ich jene Stellen mehr als unnötig.

Am meisten ärgerte mich jedoch die zweite Hälfte des Buchs. Der Anfang gefiel mir ziemlich gut – wie die Charaktere langsam zueinanderfinden, kritische Situationen überstehen müssen und nach und nach herausfinden, was sich überhaupt verändert hat. Die kleine Liebesgeschichte entwickelt sich höchst langsam und auch sehr realistisch. Doch dann kommt der Umschwung... mit Ansätzen eines Liebesdreiecks, das ich absolut nicht nachvollziehen konnte, und ziemlich blasser, durchschaubarer Charaktere. Zum Glück ging es dann ganz zum Ende wieder bergauf und das Buch endete in einem fiesen Cliffhanger – der mich neugierig auf Teil zwei macht. Auch erhoffe ich mir, dass die losen Fäden aus „Ashes“ weitergesponnen werden und man auf einige Fragen Antworten bekommt.
Übermäßig gespannt bin ich jedoch nicht, vor allem wegen der vielen Schwächen, die das Lesevergnügen für mich stark beeinträchtigt haben.






Eine sehr gute Idee, deren Umsetzung aber zum Ende hin sehr zu wünschen übrig lässt. Leider kann ich die Lobeshymnen zu diesem Buch nur teilweise nachvollziehen. Dennoch waren die Schwächen des Buchs stark subjektive Empfindungen, sodass ich vom Lesen nicht abraten möchte. Empfehlen kann ich „Ashes“ allen, die mal eine etwas andere Dystopie lesen wollen und keine schwachen Nerven haben. Wer eher zimperlich ist, der sollte auf dieses Buch verzichten.


Kommentare:

  1. So ging es mir auch mit "Ashes". Von den Szenen im Wald war ich begeistert, aber die zweite Hälfte fand ich leider enttäuschend. Erst kurz vor Ende, mit dem absoluten Cliffhanger war es wieder besser. Ich glaube, ich hatte im kompletten Jahr 2011 von keinem abrupterem Ende gelesen.

    Wirst du die Reihe fortsetzen?

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    1. Ja, wenn sie da in das Dorf kommen. Hach, das war irgendwie so langgezogen :/

      Ich denke schon, dass ich Band 2 lesen werde. Das Ende von "Ashes" versprach ja dann wieder mehr... :]

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  2. Kann ich nur zustimmen! Ähnlich wird wohl auch meine Rezension ausfallen.

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  3. Oh je. Das, obwohl gerade die zweite Hälfte des Buches mich am meisten gefangen genommen hatte. Ich war froh, dieses ganze Blutgespritze, Knochenzerbrechen und Eingeweideverstreuen überwunden zu haben. Überhaupt fand ich die Idee, dass in unter solchen schlimmen Umständen und einer solchen Katastrophe sich so eine Art "Gemeinde"/"Dorf" mit grotesken Ansichten herausbildet, sehr realistisch und spannend. Schade, schade, dass es dir nicht ganz so gut gefallen hat. :/ Aber zumindest war es für dich kein völliger Fehlgriff. Ich hoffe daher, dass dich der zweite Band, solltest du ihn dann lesen, mehr überzeugen wird. :)

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    1. Die Brutalität ist auch wirklich nicht gerade soo angenehm. Und die Idee des Dorfs fand ich ja auch nicht schlecht, nur hat sich die Handlung dort so gezogen und ich fand die Charaktere einfach nur schwach und es ziemlich vorhersehbar, was dort vor sich geht. Aber gut, das ist wirklich reine Meinungssache :)
      Wenn der zweite Band rauskommt, werde ich ihn sicherlich lesen. Hoffentlich gefällt er mir besser :) Das Ende von "Ashes" verspricht aber schon viel...

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