[Rezension] Andrea Schacht - Kyria und Reb: Bis ans Ende der Welt







Hardcover | 384 Seiten
Erschienen am 9. Februar 2012
im Egmont INK Verlag
ISBN: 9783863960162
Preis: 17,99 €
Leseprobe






Das Vereinigte Europa im Jahr 2125 ist eine Welt der kompletten Überwachung. Das geschieht nur zum Besten der Bürger, sagt Kyrias Mutter, eine hochrangige Politikerin des perfekt gesteuerten Systems New Europe . Doch die 17-jährige Kyria möchte endlich erfahren, wie es ist, sich frei zu fühlen. Als sie in Reb, einem jungen Rebell aus dem Untergrund, einen Verbündeten findet, fliehen die beiden auf abenteuerliche Weise aus New Europe und gelangen in ein fernes Reservat. Dort haben sich die Menschen ein bäuerliches Leben wie in längst vergangenen Zeiten bewahrt. Doch schon bald sind die Verfolger Kyria und Reb auf der Spur.




Abgesehen davon, dass die Handlung zu „Kyria und Reb“ ganz interessant klang und ich neugierig war, weil es sich um eine Dystopie von einer deutschen Autorin handelt, stand ich dem Buch zunächst skeptisch gegenüber. Das schöne Cover konnte mich nicht davon ablenken, dass der Klappentext das beinhaltet, was momentan auch in vielen anderen Büchern vorkommt: Unsere Welt in der Zukunft, eine veränderte Gesellschaft, ein Mädchen, das in diese Gesellschaft eingebunden ist und Bekanntschaft mit einem rebellischen Jungen macht. Dementsprechend ging ich zwar mit Hoffnungen jedoch nicht besonders großen Erwartungen an dieses Buch heran.

Meine Skepsis vergaß ich aber recht bald. Mit einem unkomplizierten, teils schon umgangssprachlichen und dennoch sehr flüssigen Schreibstil schaffte es Andrea Schacht, dass meine Begeisterung für dieses Buch mit dem Umblättern der Seiten stetig wuchs. Es dauerte nicht lange, bis ich mich an ihren Stil gewöhnt hatte und von da an verschlang ich die Geschichte um Kyria und Reb geradezu.

Zum einen ist da Kyrias Charakter, der sich stark von dem anderer Jugendbuchheldinnen abhebt. Obgleich sie sich meist stark und unnahbar zeigt, hat sie auch ihre schwache, ängstliche Seite. Dabei ist sie aber keine dieser typischen starken Heldinnen. Auf mich wirkte sie die ganze Zeit über sehr menschlich – mit ihren kleinen Zickenanfällen, ihrer mal schlagfertigen mal leicht verletzlichen Art, ihren Stimmungsschwankungen und ihren absolut realistisch beschriebenen Gefühlen. Hier und da konnte ich ihr Handeln zwar zunächst einmal nicht nachvollziehen, aber nach einigem Überlegen erklärten sich ihre Reaktionen dann doch. Ich habe es sehr genossen, die Geschichte aus ihrer Sicht mitzuerleben, vor allem eben weil sie wie ein ganz normaler Mensch schien.

Meine Skepsis gegenüber Rebs Charakter wurden glücklicherweise auch sehr schnell beseitigt. Er ist zwar ein Rebell, dennoch bleibt er seinem verschrobenen, groben Ich weitestgehend treu und verwandelte sich in Gegenwart der Protagonistin nicht plötzlich in einen Schleimbolzen. Genau wie Kyria hat auch er seine Schwächen, an die man sich als Leser unter Umständen zunächst einmal gewöhnen muss. Doch findet man sich erst einmal damit zurecht, machen sie das Buch lesenswerter und authentischer.

Zudem baut sich in dem Buch zwischen Kyria und Reb erst sehr langsam eine Freundschaft auf. Dieses Buch beschreibt demnach keine schnelle, unglaubwürdige Liebesgeschichte. Die Autorin lässt sich Zeit mit ihren beiden Hauptcharakteren und legt den Schwerpunkt auf andere Handlungsaspekte.
Über die anderen Charaktere kann ich mich ebenfalls nicht beschweren. Zwar blieben einige Nebencharaktere etwas blass, aber man kann sie ja nicht alle beleuchten. Zudem fiel es kaum auf, denn die Handlung und die restlichen Charaktere waren mitreißend genug.

Die von Andrea Schacht aufgebaute Zukunftswelt gefällt mir größtenteils sehr gut. Sie ist auf jeden Fall anders – einerseits, weil es um ein fortgeschrittenes Europa und nicht Amerika geht, andererseits aber auch, weil mir eine dystopische Gesellschaft wie diese bisher noch in keinem Buch begegnet ist. In NuYu (dem neuen Europa) sind die Frauen an der Macht, was mir als sehr glaubwürdig erschien. Auch die Veränderungen die sich innerhalb der sozialen Schichten, der Technik, der Wissenschaft und der Werte vollzogen haben, wirkten sehr logisch auf mich. Besonders gefallen hat mir dabei auch, wie man die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten bemerkte, als Kyria zum ersten Mal den Subcults (den „niederen“ Bürgern) begegnet.

Da Kyria aus einer sehr einflussreichen Familie stammt, weiß sie auch einiges über die Politik in NuYu – und spielt für diese eine, wie es sich vermuten lässt, auch einigermaßen entscheidende Rolle. Vor allem Macht und Wissen spielen in diesem Buch eine große Rolle und drängen Brutalität und Kämpfe etwas zurück. Das empfand ich als sehr passend und vor allem interessant. Das heißt allerdings nicht, dass dieses Buch ruhig vor sich hinplätschert. Anders als in anderen Dystopien, fasst die Protagonistin hier bereits zu Anfang schon einen sehr schwerwiegenden Entschluss.

„Kyria und Reb“ zu lesen hat mir unglaublichen Spaß gemacht, dennoch hat dieses Buch auch seine kleinen Schwächen. Beispielsweise lief die Handlung in meinen Augen etwas zu problemlos ab. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von viel Drama, jedoch hatte ich hin und wieder das Gefühl, dass wenige Komplikationen mehr dem Buch nicht schlecht getan hätten. Außerdem erschien mir die fast friedliche Stimmung zwischen dem Überwachungsstaat NuYu und den Provinzen – die sich der ständigen Überwachung und dem technischen Fortschritt nicht angeschlossen haben – als nicht ganz glaubwürdig, wenn man die Konflikte innerhalb NuYus und der Bevölkerungsgruppen betrachtet.

Dennoch muss ich sagen, dass „Kyria und Reb“ für mich ein unerwarteter Lesespaß war und bis auf diese kleinen Makel eine durchweg glaubwürdige und interessante Geschichte war, die ich in dieser Form bisher nicht gelesen habe. Da das Buch in einem sehr zermürbenden – und dennoch sehr passenden – Cliffhanger endet, bin ich gespannt auf den zweiten Teil!




„Kyria und Reb – Bis ans Ende der Welt“ ist eindeutig eine Dystopie, die sich gegen andere Bücher aus dem Genre behaupten kann. Mit seinen außergewöhnlichen Charakteren, einem angenehmen Schreibstil und teils unerwarteten Handlungspunkten ist es definitiv weiterzuempfehlen.



Herzlichen Dank an den Egmont INK Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Kommentare:

  1. ich will auuuch! tolle rezension :)

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    1. danke :D Jaaa, unbedingt lesen! Es gibt zwar auch einige negative Rezis dazu, aber so hab ich das Buch glücklicherweise nicht wahrgenommen :D

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  2. ich bin gerade dabei es zu lesen *-*
    bisher macht es mir auch großen spaß! :) tolle rezi!

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    1. danke :D Hoffentlich kann dir das Buch weiterhin so viel spaß bereiten!

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  3. So schnell wie du Rezensionen postest, komm ich gar nicht mit dem Kommentieren hinterher ;-) "Kyria und Reb" hört sich schon interessant an - aber ich glaube, ich habe von den vielen Dystopie-Reihen erstmal genug angefangen... Trotzdem werde ich es nicht ganz aus den Augen verlieren, versprochen!
    Und zu deinem Zeitreise-Post: Ich finde solche Geschichten auch immer sehr spannend, kenne aber leider viel zu wenige davon :-/ Deine Meinung zur Edelsteintrilogie teile ich voll und ganz - und bin froh damit nicht mehr ganz alleine dazustehen... Ich hatte, bevor der große Hype um die Reihe anfing, "Rubinrot" mal aus der Bücherei ausgeliehen und dann nach 150 Seiten wieder abgebrochen, der Humor war einfach nicht meins und Gwen ging mir ziemlich auf die Nerven! Ich hab schon an mir selbst gezweifelt, als ich später eine positive Review nach der nächsten gelesen habe :-)
    In der Engelsnacht-Reihe wird auch durch die Zeit gereist, weil sich die Protagonisten in jedem neuen Leben wieder ineinander verlieben - hach, das ist wirklich ein schöner Gedanke. Ansonsten ist das aber auch keine Reihe, die man gelesen haben muss ;-)
    LG von deiner Bücherdiebin!

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    1. Sorry :S Manchmal les ich schneller und da muss ich dann mit dem Rezensieren etwas schneller machen x)
      Stimmt schon, die ganzen Dystopie-Reihen... Dennoch, Kyria und Reb war in meinen Augen eine ziemlich gute Ausnahme, zumal es keine ganz so schreckliche Dystopie ist sondern in ihrer Grausamkeit noch moderat ist.
      Aww, eine Leidensgenossin! Hach, gut zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, was die "Rubinrot"-Reihe anbelangt.
      Engelsnacht - ist das die Reihe von Lauren Kate? Da hatte ich mal den ersten Band gelesen, war aber mit den Protagonisten überhaupt nicht zufrieden. Aber die Idee, was die Liebe betrifft, war wirklich schön :)
      Danke für den Kommentar x)
      LG

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