[Rezension] Nina Blazon - Ascheherz

grass-harp | Freitag, 27. Januar 2012 | / / / / / |






Hardcover | 544 Seiten
Erschienen im Januar 2011
im cbt Verlag
ISBN: 978-3-570-30627-7
Preis: 18,99 €
Erscheint im September 2012 als Taschenbuch





Seit einem Unfall ist Summers Gedächtnis wie ausgelöscht. Sie weiß nur eines: Der Blutmann, der sie in ihren Albträumen verfolgt, ist nun in ihr Leben getreten und will sie töten. Und er scheint nicht der Einzige zu sein, der sie verfolgt. Der geheimnisvolle, engelhaft schöne Anzej rettet ihr das Leben. Auf ihrer gemeinsamen Flucht in das ferne Nordland muss Summer erkennen, welchen Verrat sie vor Jahrhunderten begangen hat: Einst gehörte sie zu den Zorya, deren Kuss den Sterblichen den Tod bringt. Doch einem Mann mit sanften Augen, der in ihren Armen sterben sollte, schenkte sie die Ewigkeit. Nun fordert Lady Mars, die Herrin des Todes, das Leben zurück, um das sie betrogen wurde. Kann Summer den Tod ein weiteres Mal überlisten oder muss sie ihre Liebe opfern, um selbst Lady Mars tödlichem Kuss zu entgehen?

„Ascheherz“ wird ja sehr oft als Fortsetzung von „Faunblut“ erwähnt. Allerdings versteht man „Ascheherz“ meiner Meinung auch sehr gut, wenn man den Vorgänger nicht gelesen hat – die Geschichten sind gänzlich unterschiedlich – weshalb auch Leute, die „Faunblut“ noch nicht in der Hand gehalten haben, diese Rezension gefahrlos lesen können.

In „Ascheherz“ kehren wir erneut in eine fantastisch angehauchte, dennoch moderne Welt zurück, die unserer gar nicht mal so unähnlich ist. Auf mich wirkt sie mit ihren Erfindungen wie eine Welt des angehenden 20. Jahrhunderts – vermischt mit fantastischen Wesen, geheimnisumwobenen Völkern und Mythen. Diese Kombination fand ich bereits in „Faunblut“ sehr angenehm und auch „Ascheherz“ stand dem in nichts nach. Einzig die sehr modernen Dinge wie Taschenlampen und Generatoren empfand ich hin und wieder als störend. Sie passten in diese Welt einfach nicht hinein, in der man sich teils noch auf Pferden fortbewegt, in der man Zugschienen nicht in Form von Tunneln durch Berge bauen kann, usw. Während des Lesens ließ ich mich oft von dem Gedanken ablenken, wie ich mir die Entwicklung in dieser Welt nun vorstellen soll. Bei Faunblut fiel mir das nicht so stark auf, denn die Geschichte spielte sich in einem kleineren Umfeld ab, weshalb man von der Welt wenig mitbekam. Hier erfährt man aber umso mehr und die Fragezeichen sammelten sich geradezu in meinem Kopf.

Ich ließ mich dennoch gerne von Nina Blazon in diese sonderbare Welt entführen und es dauerte auch nicht lange, bis sie sich in meinem Kopf zu einem Bild ausgeformt hatte. Das mag wohl auch an dem Schreibstil liegen, den die Autorin an den Tag legt: Sie beschreibt die Umgebung mit allen Sinnen – sehr oft hatte ich das Gefühl, dass nicht nur das Geschehen vor meinen Augen abläuft, sondern dass ich auch die jeweiligen Gerüche rieche, den kalten Wind auf meiner Haut spüre, usw. Schon in anderen Romanen von Nina Blazon ist mir ihr Schreibstil positiv aufgefallen und hier war es wieder der Fall. Ihre Sprache ist schön, mit vielen Schnörkeln und Verzierungen, die nicht überflüssig sind sondern allenfalls dem Leser helfen, in Gedanken mit den Charakteren zu reisen.

Dass Nina Blazon viele Beschreibungen einflechtet, heißt aber keinesfalls, dass sie sich nicht auf die Charaktere bezieht. Auch Gefühle und Gedanken der Hauptfigur, Summer, sind gut dargestellt. Allerdings, hätte meiner Meinung nach, ein Ich-Erzähler besser zu der Geschichte gepasst als ein personaler Erzähler. Da man die Handlung gänzlich aus Summers Sicht miterlebt, hätte man so noch besser einen Einblick in ihre Gedanken gehabt. Dass diese Perspektive nicht gewählt wurde, fand ich etwas schade, denn manchmal ließen mich die Geschehnisse etwas kalt. Zumal es in dem Buch auch darum geht, dass Summer nicht weiß, wer sie ist und das herausfinden möchte. Da wäre eine andere Perspektive sicherlich besser gewesen.

Aber auch so konnte ich vieles gut nachvollziehen. Summer fand ich als Protagonistin sehr angenehm. Sie weiß nicht, wer sie ist – als Leser konnte ich ihr das wirklich abnehmen. Einige Eigenschaften besitzt sie und dennoch erfährt sie immer mehr über sich und verändert sich damit auch leicht. Diese Entwicklung zu beobachten empfand ich als sehr spannend und glaubwürdig.
Dabei hat Summer allerdings nicht nur positive Eigenschaften, ebenso wenig wie viele andere Charaktere. Größtenteils sind sie sehr facettenreich dargestellt, wobei es da einige Ausnahmen gab.

Bei manchen Charakteren hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht, denn ich fand ihr Handeln dorch arg vorhersehbar. Glücklicherweise war das nur bei wenigen Nebencharakteren der Fall, sodass dieser Störfaktor kaum ins Gewicht fällt. Nur wurde eben die sonst ziemlich gute Handlung dadurch etwas beeinträchtigt. Ansonsten war die Handlung aber sehr gut und ziemlich straff gehalten, sodass ich mich auf den 544 Seiten dieses Buchs kaum gelangweilt habe – auch wenn es nicht unbedingt vor Action strotzt. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn Summers Selbstfindung bietet schon genug Spannung. Man möchte eben selbst wahnsinnig gerne wissen, wer sie ist und wie dieser Gedächtnisverlust zustande kam, woher sie ursprünglich kommt und ob sie irgendwie wieder zu ihrer alten Form zurückfinden wird. Nebenher werden auch noch einige andere Aspekte wichtig, die mir sehr gut gefielen. Wie Nina Blazon sich mit dem Krieg im Nordland beschäftigt hat, zum Beispiel. Er war zwar nicht das Hauptthema und dennoch kamen dabei einige Gedanken hervor, die ich sehr interessant fand.




„Ascheherz“ ist ein wirklich schöner Schmöker, der mir mit einer spannenden, noch nicht so oft gelesenen Handlung und einem wundervollen Schreibstil schöne Lesestunden beschert hat. Die kleinen Schwächen haben dieses Vergnügen etwas beeinträchtigt. So schwer fallen sie dann aber auch wieder nicht ins Gewicht, weshalb ich das Buch weiterempfehlen kann – vor allem Lesern, denen „Faunblut“ schon sehr gut gefallen hat!

Kommentare:

  1. Stimm dir in jedem Punkt überein. Ich fand die moderne Begriffe auch wirklich verwirred. Das passte einfach nicht in diese verträumte Welt.
    Hast du übrigens die kleine Brücke zu Faunblut entdeckt?

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    1. Ja. Und es wird ja auch nie genau beschrieben - so als wär das alles ganz alltäglich. Komisch.
      Jaa, das war echt toll :D Ich musste richtig grinsen, als es mir aufgefallen ist :D

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