[Rezension] Markus Zusak - Die Bücherdiebin








Taschenbuch | 592 Seiten
Erschienen im September 2009
im cbt Verlag
ISBN: 978-3-570-30627-7
Preis: 9,95 €





1939, Nazideutschland. Der Tod hat viel zu tun und eine Schwäche für Liesel Meminger...
Am Grab ihres kleinen Bruders stiehlt Liesel ihr erstes Buch. Mit dem »Handbuch für Totengräber« lernt sie lesen und stiehlt fortan Bücher, überall, wo sie zu finden sind: aus dem Schnee, den Flammen der Nazis und der Bibliothek des Bürgermeisters. Eine tiefe Liebe zu Büchern und Worten ist geweckt, die sie auch nicht verlässt, als die Welt um sie herum in Schutt und Asche versinkt. Liesel sieht die Juden nach Dachau ziehen, sie erlebt die Bombennächte über München – und sie überlebt, weil der Tod sie in sein Herz geschlossen hat.

Es beginnt jedes Mal mit Bauchschmerzen. Wenn ich ein Buch fertig gelesen habe, etwas darüber nachdenke, noch einmal durch die Seiten blättere – hier und da wiederholt eine schöne Stelle lese. Wenn sich danach irgendwann mein Bauch seltsam hohl und sehnsuchtsvoll anfühlt – dann weiß ich, dass ich soeben ein ganz besonderes Buch beendet habe.

„Die Bücherdiebin“ verschonte mich in dieser Hinsicht nicht. Dabei war ich anfangs noch so skeptisch, weil ich das immer bin, wenn ein Buch so hoch gelobt wird. Und auf den ersten fünfzig Seiten bewahrheitete sich meine Skepsis sogar, denn die vielen, kurzen Absätze durchbrachen für mich den Lesefluss so sehr, dass ich zunächst versucht war, das Buch wegzulegen. Einfach weil ich nicht, wie erhofft, in dieses Buch versinken konnte.

Doch schon bald änderte sich das. Die Absätze wurden einerseits länger, andererseits gewöhnte ich mich an diesen sonderbaren Stil, der aus der Feder des Todes stammte. Jaja, ihr habt ganz richtig gelesen – „Die Bücherdiebin“ wird aus der Sicht des Todes erzählt, was einem zunächst vielleicht makaber erscheinen mag. Doch komischerweise passt dieser Umstand wunderbar zu der Geschichte. Und der Tod ist auch nicht grausam oder gruselig, sondern sehr eigenartig und nicht verschreckend. Ich habe es genossen aus seiner Sicht zu lesen, mit zwischenzeitlichen Einwürfen oder Zitaten aus anderen Büchern, die in diesem Buch eine Rolle spielen.

Der Tod ist allerdings nicht die Hauptfigur des Buchs. Das ist Liesel, die im Alter von neun Jahren von einer Pflegefamilie in einem Vorort von München aufgenommen wird. Die Zeit ist 1939. Die Geschichte, über die ich hier nicht zu viel verraten möchte, beginnt an diesem Punkt und erzählt, wie Liesel ihr erstes Buch stielt. Von da an geht es weiter – die einzelnen Abschnitte tragen den Titel der jeweiligen Bücher, die Liesel sich auf unrechtmäßigem Weg besorgt und beschreiben, wie sie in den Besitz des Mädchens gelangen. Die Aufteilung hat mir sehr gut gefallen, vor allem da man vor jedem Abschnitt lesen konnte, wer oder was eine Rolle für das Zusammentreffen von Liesel und dem Buch spielen.

Gleichermaßen geht es aber auch um den Ausbruch des zweiten Weltkriegs und Deutschland in den Händen Hitlers. Beide Geschichten sind unweigerlich miteinander verbunden. Geschichten über den zweiten Weltkrieg gibt es ja wirklich viele und allesamt erzählen sie das Schicksal bestimmter Menschen – ob sie nun Deutsche, Juden, Amerikaner, Russen, Franzosen sind... oder von anderer Herkunft oder Konfession. „Die Bücherdiebin“ ist unter diesen Geschichten eine ganz besondere, wie ich finde, denn sie beschäftigt sich nicht direkt mit dem Krieg, sondern den Auswirkungen, die dieser auf ein kleines Städtchen und dessen Bewohner hat. Sehr toll fand ich dabei, dass diese Geschichte nicht nur Grausamkeiten beschreibt, sondern einem auch Hoffnung auf das Leben vermittelt. Immer wieder musste ich wegen irgendeines Charakters – sei es nun Liesel oder ihr bester Freund Rudi oder sonst jemand anders – schmunzeln, weil ihr Verhalten so echt und komisch war. Wie Kinder eben manchmal sein können...

Die Charaktere waren in meinen Augen auch ein großer Pluspunkt dieses Romans. Ich konnte sie mir leibhaftig vorstellen, mit ihren seltsamen Angewohnheiten und Eigenheiten, wie sie durch das kleine Molching spazierten und versuchten, das beste aus dieser schweren Zeit zu machen. Sie waren ein guter Grund dafür, dass mir das Buch zu keiner Zeit langweilig wurde.



"Die Bücherdiebin" ist ein Buch, das mir sehr schöne Lesestunden bereitet hat und sowohl mit gutem Stil, einer unverwechselbaren Geschichte und tollen Charakteren glänzen konnte. Es ist etwas ganz Besonderes, das man, wie ich finde, gelesen haben sollte. Auch Erwachsenen könnte dieses Buch gefallen, denn obwohl die Hauptfigur ein Kind ist, verbirgt sich zwischen den beiden Buchdeckeln eine Geschichte, die auch Menschen anderer Altersgruppen berühren dürfte.
Auf Grund des Anfangs gebe ich leichten Abzug, ansonsten hat mir das Buch aber wirklich wundervoll gefallen (was mein Bauchgefühl bestätigen kann).

Kommentare:

  1. Wie schön, dass dir die Bücherdiebin so gut gefallen hat. Es gehört zu meinen Lieblingsbüchern und ich kann dir bei vielen Punkten nur zustimmen.
    Der Verlag hat übrigens auch erkannt, dass sich das Buch für jede Altersgruppe eignet, denn es gibt gleich zwei Versionen ;)

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    1. Stimmt, die andere Version dazu habe ich auch gesehen. Irgendwie fand ich die sogar noch freakiger, aber auch das Jugendbuchcover dazu gefällt mir wirklich gut.

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  2. *hach* das Buch ist wunderschön! :D
    Danke für dein Kommi...
    ich hab schon seit langem einen Header und ich glaube ich setze ihn jetzt mal ein...
    Naja dauert wahrscheinlich noch, aber trotzdem schonmal danke! :)

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    1. Achja: also ich hab jetzt mein Design auch mit der Awesome Vorlage und dem alten Header...jetzt hat mir eine Freundin geraten den Hintergrund grau zu machen...fändest du das schlimm?! Es ist zwar ein dunkleres grau ..aber trotzdem...
      Ich könnte es verstehen.

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  3. Ein wundervoll zauberhaftes Buch, ich stimme dir zu. Es ist schon ein paar Jahre her, als ich es gelesen habe, aber ich habe es immer noch überaus gut in Erinnerung. - Ein gutes Zeichen. ;)
    Du hast vollkomen recht, die Charaktere sind so schön menschlich, was das ganze nur noch herzergreifender macht. Es freut mich, dass es dich ebenfalls so mitreißen konnte. :)

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    1. Das ist wirklich ein gutes Zeichen. So viele Bücher vergisst man, obwohl man sie toll fand... Schon schade :/

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  4. Ich fand die Bücherdiebin auch total schön und war total gerührt von dieser schönen Geschichte. Deine Beschreibung von diesem komischen Gefühl im Bauch nach dem Auslesen fand ich total gut, denn genauso ging es mir, als ich das Buch aus der Hand gelegt habe.

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    1. Ich krieg so langsam das Gefühl, dass ich eine der wenigen in der Buchbloggerwelt bin, die das Buch erst jetzt gelesen hat... oO
      Aber schön, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat!

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  5. Oh mann, wie konnte ich denn die Rezension bloß übersehen...? Ein WE mal keine Blogrunde gedreht, und schon entgehen mir die wichtigsten Beiträge ;-)
    Schön, dass dir die "Bücherdiebin" so gut gefallen hat! Ich muss wohl nicht mehr betonen, wie gut mir das Buch gefällt, aber ich bin immer ganz gerührt, wenn es anderen beim Lesen ähnlich erging. Danke für die schönen Worte, Saumensch! ;-)

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    1. Na ja, jetzt hast du sie ja gesehen :D
      Aw, ja, ich finde es auch immer toll, wenn anderen Leuten meine Lieblingsbücher zusagen. Danke für's Durchlesen, Saumensch! :D

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    2. Gut, dass du mich drauf hingewiesen hast... Saumensch! ;-)

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