[Rezension] Jandy Nelson - Über mir der Himmel








Hardcover | 352 Seiten
Erschienen im August 2010
im cbj-Verlag
ISBN: 9783570138779
Preis: 14,95 €
Die Taschenbuchausgabe erscheint im März 2012





Siebzehn Jahre hat Lennie glücklich im Schatten ihrer strahlenden Schwester gelebt, siebzehn Jahre haben die beiden ihre Kleider, ihre Gedanken, ihr Lachen geteilt. Doch jetzt ist Bailey tot und Lennie in einem Haus der Trauer, wo niemand rein- oder rauskommt. Es ist, als hätte jemand den Himmel ausgeknipst. Bis Lennie sich verliebt – zum ersten Mal in ihrem Leben und gleich in zwei Jungen: Joes magisches Lächeln wird nur noch von seinem musikalischen Talent übertroffen; Toby ist stiller Cowboy, mutiger Skater – und Baileys große Liebe. Für Lennie sind sie wie Sonne und Mond; einer stößt ein Fenster in ihrem Herzen auf und lässt das Licht herein, bei dem anderen hat ihr Schmerz ein Zuhause ...

Erst dachte ich ja, ich hätte es wieder mit so einem ganz typischen Jugendbuch zu tun, in dem jemand trauert und man als Leser die Trauer realistisch geschildert bekommt, aber irgendwie nicht ganz mitfühlen kann, weil etwas fehlt. "Über mir der Himmel" ist zwar ein Jugendbuch und es geht um Verlust - aber auf der anderen Seite ist es meiner Meinung nach so realistisch, mit so echten Charakteren, dass es einem sehr, sehr nahe geht.

Zugegeben, die Geschichte ist wirklich nichts ganz Neues. Ein Mädchen verliert seine Schwester und muss dann zusehen, wie sie ohne sie klarkommt. Wie das allerdings beschrieben ist, hat mir außerordentlich gut gefallen. Da ist Lennie, die alles andere als perfekt ist, sehr fragwürdige Sachen macht und einfach nicht von ihrem Gefühlswirrwarr zu befreien ist. Ihre Oma und ihr Onkel, die leicht exquisite Gestalten sind, die einem aber auch ans Herz wachsen. Joe, der vor Lebensfreude geradezu sprüht und Toby - der Freund von Lennies verstorbener Schwester -, der so verloren ist. Allesamt haben sie ihre guten und weniger guten Eigenschaften, die es mir als Leser sehr einfach gemacht haben, die Charaktere vor mir zu sehen. Einige mochte ich mehr, andere weniger - aber sie waren echt und das gefiel mir sehr an der Geschichte.

Ein weiterer Pluspunkt war der Stil. Angenehm zu lesen, von viel Umgangssprache durchbrochen, die allerdings sehr gut zu Lennie (als Ich-Erzählerin) passt. Immer wieder zwischendurch liest man Notizen, die sie auf Zettel, alte Pappbecher, auf Bänke und Sonstiges geschrieben hat, die einem einerseits einen tieferen Einblick in ihre Gefühlswelt gewähren, andererseits aber auch Rückblicke auf das Leben mit ihrer Schwester Bailey beschreiben. So lernt man auch die verstorbene Bailey besser kennen. Diese Momentaufnahmen gingen mir sehr nahe. Auch die Dialoge fand ich sehr gut, denn sie wirkten auf mich realistisch - so wie Menschen eben reden, manchmal mit mehr sinnlosem als sinnvollen Inhalt.

Gegenüber der Handlung war ich vorher etwas skeptisch: Joe und Toby, für die sich Lennie plötzlich beide interessiert, auf ganz seltsame Art und Weise. Das schreit natürlich nach einem Liebesdreieck - ein Phänomen, das in letzter Zeit in viel zu vielen Jugendbüchern auftaucht. Hier fand ich es allerdings gar nicht mal so schlimm, denn einerseits ging ja schon aus dem Klappentext hervor, worauf es hinauslaufen würde und andererseits schilderte es Lennies Verwirrung wirklich ziemlich gut.



Wer einen realistischen Jugendroman lesen möchte, mit sowohl traurigen als auch fröhlichen Inhalten klarkommt und nichts gegen Charaktere hat, die nicht ganz perfekt hat, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen! Mir hat es definitiv sehr gut gefallen und dieses Buch werde ich sicherlich noch mehrmals lesen.

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