[Rezension] Ben Aaronovitch - Die Flüsse von London







Taschenbuch | 480 Seiten
Erschienen im Januar 2012
bei dtv
ISBN: 978-3-423-21341-7
Preis: 9,95 €
Leseprobe





Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Was seinen Vorgesetzten nicht entgeht. Auftritt Thomas Nightingale, Polizeiinspektor und außerdem der letzte Zauberer Englands. Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Ein Mord in Covent Garden führt den frischgebackenen Zauberlehrling Peter auf die Spur eines Schauspielers, der vor 200 Jahren an dieser Stelle den Tod fand.

»Mein Name ist Peter Grant. Ich bin seit Neuestem Police Constable und Zauberlehrling, der erste seit fünfzig Jahren. Mein Leben ist dadurch um einiges komplizierter geworden. Jetzt muss ich mich mit einem Nest von Vampiren in Purley herumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin herbeiführen, Leichen in Covent Garden ausgraben. Ziemlich anstrengend, kann ich Ihnen sagen - und der Papierkram!«


Agatha Christie nur 80 Jahre später, einer Prise Harry Potter und ein paar multikulturelle Elemente untergemischt – so in etwa ist die Grundrezeptur von „Die Flüsse von London“. Allerdings gibt es auch noch eine unbekannte Zutat in diesem Rezept; irgendetwas, von dem nur Ben Aaronovitch etwas weiß. Denn obwohl ich mich hin und wieder an die oben genannten Romane erinnert fühlte, ist dieses Buch anders – besonders.

In „Die Flüsse von London“ wird die Geschichte eines Kriminalfalls erzählt, der sich zu einer Reihe mysteriöser Ereignisse entwickelt. In welche Richtung die Geschichte gehen wird, konnte ich am Anfang wirklich gar nicht erahnen. Man bekommt zwar zunächst einen Mord geschildert und taucht dann langsam in das Geschehen ein, doch zunächst dachte ich, dass es sich nur darum handeln würde, wie der Mörder gefunden wird. Weit gefehlt: In dem Buch geht es um viel mehr, man düst mit dem Hauptcharakter Peter Grant quer durch London und erfährt mit ihm Schritt für Schritt, dass es auch fantastische Wesen wie Geister oder Zauberer in unserer Welt gibt. Das Kennenlernen dieser neuen Welt ist gut in die Handlung eingebunden und hängt unmittelbar mit ihr zusammen, sodass man als Leser viele wichtige Dinge erklärt bekommt. Ben Aaronovitch driftet dabei allerdings nicht in nervtötendes Geschwafel ab, sondern schaffte es, mich bei Laune zu behalten. Das mag einerseits an der ziemlich originellen Geschichte liegen, in der sich spannende und ruhige Szenen die Waage halten.

Andererseits liegt es aber wohl auch an seinem Hauptcharakter: Peter Grant ist ein überaus sarkastischer Mensch, der mir mit seinen seltsamen Eigenheiten sofort ans Herz gewachsen ist. Als Polizist mag er nicht unbedingt der beste sein, doch als Erzähler dieser Geschichte war er wirklich ideal. Ziemlich witzig, etwas tollpatschig, kein Genie, dennoch ziemlich gerissen – und einfach eine Person, die man gern hat. Die anderen Charaktere gingen aber auch keinesfalls unter. Ob skurril, zickig, neunmalklug – kaum ein Charakterzug bleibt in dieser Geschichte unbeachtet, was dazu führte, dass die Figuren mir sehr realistisch erschienen. Keine bloßen Abziehbilder und flachen Charaktere, sondern vielmehr Personen, denen man auch auf der Straße begegnen könnte. Ebenfalls hat es mir sehr gut gefallen, dass jeder Charakter wichtig für die Geschichte war. Helfen konnte jeder von ihnen, ebenso wie etwas vermasseln. Es gab keine Aufteilung in schwache und starke Charaktere in dieser Geschichte, irgendwie mussten sie alle handeln, um vorwärts zu kommen.

Der größte Pluspunkt dieses Buchs war aber meiner Meinung nach der Schreibstil. Ben Aaronovitch schreibt ziemlich zynisch mit einer Art von Humor, die mich mehrmals zum Lachen gebracht hat. So viel Wortwitz begegnet man wirklich selten. Auch die Polizei wird hier aufs Korn genommen, ebenso wie bestimmte Verhaltensweisen, die man sich in der Großstadt (unbewusst) angewöhnt. Wirklich große Klasse! Allerdings sollte man sich, ehe man mit dem Buch beginnt, im Klaren darüber sein, dass in hier Polizeiarbeit nicht unbedingt realistisch dargestellt werden soll, sondern eher unterhaltsam.

Stellenweise haben mich aber die Beschreibungen in diesem Buch in ihrer Ausführlichkeit etwas gestört. Denn der Fokus des Buchs lag, meiner Ansicht nach, eher auf der Handlung und so waren einige genauste Ausführungen über die Umgebung etwas überflüssig.

Zudem fand ich es auch etwas schade, dass man kaum miträtseln konnte, wer nun hinter dem ganzen Schlamassel steckt, weil es lange Zeit keinen Hauptverdächtigen oder ähnliches gab. Man weiß aber auch anfangs zu wenig über die Möglichkeiten, die die Magie in dieser Geschichte bieten könnte – was sich jedoch nach und nach legt.




Ein wirklich unterhaltsamer, sehr gut geschriebener Kriminalroman, bei dem mich die fantastischen Aspekte und vor allem die Charaktere überzeugen könnte. Die minimalen Schwächen konnten mein Lesevergnügen kaum einschränken, weshalb ich das Buch guten Gewissens weiterempfehlen würde. Auch an nicht-Krimi-Fans!




Ich bedanke mich herzlichst bei dtv für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Toller Blog! Schöne Review. Lust auf gegenseitiges verfolgen?
    Lg Polar Paradise
    http://polar-paradise.blogspot.com/

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  2. Oh, das klingt echt ziemlich toll, danke noch mal für die Rezension. Das Buch werde ich gleich morgen zu lesen beginnen und bin schon sehr gespannt darauf! (:

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    1. Nichts zu danken :) Ich bin mal gespannt, wie es dir so gefallen wird!

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