[Rezension] Ali Shaw - Das Mädchen mit den gläsernen Füßen








Hardcover | 400 Seiten
Erscheint am 16. Januar 2012
im script5-Verlag
ISBN: 978-3-8390-0131-8
Preis: 18,95 €





Seltsame Dinge gehen auf St. Hauda´s Land vor: Eigentümliche geflügelte Kreaturen schwirren umher, in schneebedeckten Wäldern versteckt sich ein Tier, das mit seinem Blick alles in Weiß verwandelt, im Meer sind wundersame Feuerwerke zu beobachten … und Ida Maclaird verwandelt sich langsam, von den Füßen aufwärts, zu Glas.
Nun kehrt sie an den Ort zurück, wo alles begann, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. Doch stattdessen findet sie die große Liebe: Mit ihrer traurigen und trotzigen Art schafft Ida es, die Knoten in Midas’ Herzen zu lösen. Gemeinsam versuchen sie nun, das Glas aufzuhalten.


Bereits als „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“ auf Englisch erschien, hörte ich schon einiges davon. Genug, um das Buch unbedingt mal lesen zu wollen – als ich dann sah, dass es auf Deutsch erscheinen würde, konnte ich die Finger natürlich nicht davon lassen. Glücklicherweise gewann ich das Buch bei vorablesen.de, sodass ich nicht mal lange mit mir hadern musste, ob ich das Buch nun kaufe oder nicht.

Ali Shaw erzählt in seinem Roman die Geschichte eines Mädchens, dessen Füße zu Glas werden. Aber nicht nur das – Gegenstand der Geschichte sind auch ein schüchterner, sich selbst im Weg stehender junger Mann, ein verschrobener Einzelgänger und ein Mann, der nach Jahren noch immer seiner Vergangenheit und einem Menschen aus dieser Zeit nachtrauert. Auch einige andere Nebencharaktere reichern die Geschichte mit vielen persönlichen Schicksalen an.

Die Grundidee des Romans gefiel mir sehr gut. Leicht fantastisch, aber noch immer so nah an der Realität dran, dass ich manchmal glaubte, die Dinge aus dem Roman könnten in der Wirklichkeit auch geschehen. Beim Lesen fühlte ich mich konstant so, als würde mir jemand in einer dunklen Winternacht diese mystische Geschichte erzählen – was nicht nur an der ziemlich traurigen aber ebenso außergewöhnlichen Grundlage des Romans lag, sondern auch an der Art und Weise, wie er geschrieben war. Ali Shaw hält sich bei seinen Beschreibungen nämlich nicht vornehmlich an die Charaktere, sondern beschreibt ähnlich viel Natur- und Tiergeschehen, das drum herum vorgeht. Mir hat das wunderbar gefallen, denn so erwachte die recht karg bewohnte Insel mit ihrem Sumpf, ihren dunklen Wäldern und anderen Naturgewalten in meiner Fantasie zum Leben. Die Sprache glich fast einer Melodie, selten hatte ich das Gefühl, dass sie der Geschichte oder der Übermittlung der Gefühle und Gedanken im Weg stünde. Nur manchmal waren mir die Beschreibungen einander etwas zu ähnlich oder auch zu lang – am Anfang von Kapiteln zum Beispiel. Da hätte ich es mir gewünscht, dass sie etwas besser in die Erzählung eingebunden wären, damit ich in meinem Kopf nicht nur die Landschaftsbeschreibungen in ein Bild umwandeln kann, sondern auch aus welchen Augen diese Landschaft gerade beschrieben wird und mit welchen Gefühlen und Gedanken sie zusammenhängt.

Gefühle waren in dieser Geschichte auch ganz wichtig, schließlich wurde sie auch sehr von den Charakteren vorangetrieben. Ich hatte den Eindruck, dass jede Figur in diesem Roman durch irgendein Ereignis, eine Reihe von Ereignissen in der Vergangenheit oder Zukunftsängste, davon abgehalten wurde, so zu sein, wie er oder sie eigentlich sein sollte. Unter Umständen kann dieses sich-selbst-im-Weg-stehen störend werden, aber ich fand es mal sehr angenehm über menschliche und realistische Charaktere zu lesen, die einem vielleicht nicht durchweg sympathisch sind, dafür aber wie Menschen wirken.

Ohnehin bot dieses Buch einige Abwechslungen. Die Hauptcharaktere waren bereits aus dem Teenageralter heraus, aber auch irgendwie noch nicht ganz erwachsen; die Seiten trieften nicht vor schwülstigen Liebeserklärungen. Die Romanze in diesem Buch war eher unterschwellig – eindeutig vorhanden, aber sie dominierte nicht die gesamte Handlung.

Beeindruckend fand ich an diesem Buch vor allem die verschiedenen Gefühle, die es bei mir wachrief. Einmal diese tief sitzende Melancholie, die fast über das ganze Buch hinweg zu spüren war, andererseits auch kleine Momente, in denen ich einfach lächeln musste, weil irgendein Charakter über seinen Schatten gesprungen waren. Und dann auch die Wut auf bestimmte Handlungen und Reaktionen, die zwar realistisch waren, aber mich einfach rasend machten. Und die Trauer über bestimmte nicht veränderbare Situationen.

An sich war diese Geschichte also recht überzeugend. Trotzdem fehlte meiner Meinung nach dieses gewisse Etwas, das das Buch zu einem meiner Lieblinge machen würde.



Trotz minimalster Schwächen ist dieses Buch sehr empfehlenswert. Wer gerne fantastisch angehauchte Bücher für junge Erwachsene liest und gerne mal etwas abseits der sich anhäufenden Klischees und Stereotypen in diesem Genre forschen möchte, sollte sich dieses Buch definitiv nicht entgehen lassen. Aber auch ansonsten kann ich das Buch weiterempfehlen.


Vielen Dank an vorablesen.de und den Script5-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. schöner Bücherblog :]
    Ich kann das verstehen, mit der Aufteilung. Das habe ich auch jetzt gemacht mit 'Holla die Waldfee'.
    Man merkt gar nicht, wie viel die Bücher einen bedeuten bis man nach Monaten merkt, dass der Blog ein Bücherblog geworden ist. ^^

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  2. Ich find die Aufmachung des Buches so hübsch. Ich glaub die Seiten waren Silber oder?

    Der Inhalt macht mich aber etwas stutzig. Ein Mädchen mit gläsernen Füßen?
    Würdest du mir das Buch empfehlen? Du weißt ja inzwischen was ich lieber lese >.<

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  3. ahaaaa :D
    naja, ich bin damit heute morgen zum zweiten mal gestartet, weil mir die beschreibungen auch zu lang sind -.-
    aber, ich les erst mal zu ende, bevor das urteil kommt ;)

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  4. Ich werde das Buch demnächst auch lesen und freue mich schon sehr darauf.

    Ich finde es schön, dass du den Büchern jetzt einen eigenen Blog gönnst, auch wenn ich deinen anderen gemischten Blog auch immer gern gelesen habe.

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