[Rezension] Paullina Simons - Tatiana und Alexander


Taschenbuch | 704 Seiten
Erschienen am 31. Oktober 2004
bei Heyne
ISBN: 9783453470118



A C H T U N G !!!
Enthält Spoiler auf Teil 1, "Die Liebenden von Leningrad"

[INHALT]

Während Major Alexander Belov vor einem Exekutionskommando steht, gelingt seiner schwangeren Frau Tatiana in letzter Sekunde die Flucht aus Leningrad. In Amerika versucht sie ein neues Leben für sich und ihr Kind aufzubauen. Doch Tatiana glaubt nicht an den Tod ihres Mannes.


via
 
[MEINUNG]
'Wie kann es sein, dass sich so etwas nur zwischen zwei Buchdeckeln befindet?', war mein erster Gedanke, als ich das Buch zuklappte. Wie kann es sein, dass so etwas der Fantasie eines Menschen entspringt und dieser Mensch es schafft, die eigene Fantasie so anzusprechen, dass sich die Geschichte nicht mehr wie eine Geschichte, sondern wie die Realität anfühlt? Denn genauso ist es: Dieses Buch fühlt sich echt an, die Charaktere scheinen einem real, die Gefühle und Gedanken dieser Charaktere ebenso. Es ist unglaublich, wie authentisch diese Geschichte ist.

Es geht um Tatiana und Alexander, die getrennt voneinander irgendwie weiterleben müssen, ohne zu wissen, ob der jeweils andere noch am Leben ist, wo er sich befindet und wie es ihm geht. Aber es ist nicht nur das. Es sind nicht nur diese umwerfenden Gefühle füreinander, die trotz der Entfernung so überzeugend sind, sondern auch die Geschichte zweier Menschen vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs. Als Leser erfährt man viele geschichtliche Details, die vor allem die Sowjetunion betreffen, ohne sich dabei zu langweilen. Man lernt so viel, wenn man dieses Buch liest - allerdings nicht nur über die Vergangenheit Europas, sondern auch über die Menschheit und menschlichen Gefühle allgemein. Man leidet mit, man freut sich und irgendwann weiß man einfach nicht mehr, was man fühlen soll, denn man ist ebenso verwirrt wie die Charaktere selbst.

Charaktere, die übrigens alles andere als perfekt sind. Sie haben ihre Makel und doch mag man sie irgendwie (oder auch nicht), sie erscheinen einem wie echte Menschen, die man mehrere Jahre lang begleitet. Im Gegensatz zu manchen anderen Büchern sind aber nicht nur die Hauptcharaktere so vielschichtig, sondern auch andere Figuren, die einem in diesem Buch begegnet, sind wunderbar ausgearbeitet. Die Charaktere entwickeln sich, den Umständen entsprechend, auch weiter, was mir sehr gut gefallen hat. Natürlich bleiben sie sich in manchen Dingen treu, aber allgemein merkt man doch, dass äußere Einflüsse auch sie betreffen.

Aus Tatianas und Alexanders Perspektive erlebt man die Geschichte mit, reist mit ihnen auch hin und wieder in die Vergangenheit zurück, wenn sie sich an bestimmte Augenblicke erinnern. Besonders schön fand ich es, dass man in diesem Teil Alexander noch ein bisschen näher kennen lernt und so einiges über seine Vergangenheit liest, was im ersten Teil nur kurz erwähnt wurde.

Geschrieben ist die Geschichte in einer ziemlich detailreichen Sprache, was manch einem vielleicht kitschig oder überladen erscheinen mag. Aber, ehrlich gesagt, passte das so gut zu der restlichen Masse an Gefühlen, dass es mich nicht gestört hat. Im Gegenteil; viele Formulierungen gehen einem gut in den Kopf und bleiben dort hängen, sodass man, wenn man das Buch zuklappt, die ganze Fülle dieser Geschichte noch vor Augen und in Erinnerung hat.


[FAZIT]
“We walk alone through this world, but if we're lucky, we have a moment of belonging to something, to someone, that sustains us through a lifetime of loneliness”, schreibt Paullina Simons in "Tatiana und Alexander". Dieser Satz beschreibt das immer im Hintergrund schwebende Gefühl dieses Buchs wohl am besten. Jedem, der Liebesgeschichten mag, der etwas zum Schmökern will oder der sich für Geschichte interessiert, kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.
5 von 5 Sternen und ich würde wirklich, wirklich mehr geben, wenn es ginge.

Kommentare:

  1. Oh, Zahnarzt ist natürlich nicht so super, aber man hätte sich wünschen können, dass es schnell vorbei ist :D

    Das Buch klingt ja ziemlich interessant. Kann man das auch lesen ohne den ersten Teil? Oder sollte man den besser auch davor lesen?

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  2. was für eine treffende und schöne rezension! ich war beim lesen nur noch am nicken :D ich freue mich so, dass dir das buch genauso gut gefallen hat! ♥

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  3. Ohje, du und Elif macht es mir ja wirklich nicht leicht, mich zu beherrschen und nicht sofort zum ersten Band dieser (anscheinend wundervollen) Reihe zu greifen. (Band 1 wartet schon - wie so viele andere...- seit einer gefühlten Ewigkeit in meinem Regal, ebenso Band 3, von dem ich eigentlich dachte, er wäre der 2. Band, als ich ihn mal als Mängelexemplar ergatterte.) Wunderschöne, neugierig machende Rezension. Ich kann es kaum abwarten. :D Hoffentlich wird dir Band 3 genauso gut gefallen.

    ICh kann mir vorstellen, dass "Lolita" von der Thematik her keine leichte Kost ist. Manche Bücher muss man eben ab und an beiseite legen und durchatmen, nachsinnen. Schließlich hat es nicht immer seinen Reiz bzw. ist es von Vorteil, ein Buch in Windeseile herunterzu lesen.

    Was ich derzeit lese? "Totentöchter- die dritte Generation" von Lauren Destefano. Bisher gefällt es mir wirklich gut, ich habe allerdings noch ein Stückchen vor mir. Ich hatte zuvor einige nicht ganz so begeisterte Rezensionen gelesen und hatte schon Befürchtungen, aber bisher gibt es wirklich nichts zu bemängeln. :)

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