[Rezension] Mikael Niemi - Erschiess die Apfelsine

captain cow | Montag, 12. September 2011 | / / / / / |


Informationen:

Seiten: 240 Seiten
Verlag (Erscheinungsdatum): Berliner Taschenbuchverlag (13. Juni 2011)
ISBN: 978-3442753024
Preis: 14,99 €
Originaltitel: "Skjut Apfelsinen"


Inhalt:

Niemis Held ist 16 Jahre alt und geht aufs Gymnasium. Er teilt seine Klasse in Hosenscheißer und Idioten ein. Die Hosenscheißer bekommen alles vorgesetzt und haben Eltern, die dafür sorgen, dass es ihnen im Leben gut geht. Die Idioten wissen, dass die Hosenscheißer immer siegen werden, finden sich jedoch damit ab und wollen nur nicht stören. Niemis Held ist fest entschlossen, nicht so ein kriecherischer Idiot zu werden. Auch wenn ihn seine erste große Liebe wie den letzten Dreck behandelt. Er gewinnt viele Feinde, aber auch einige Freunde. Wie das schwarzhaarige Mädchen aus dem musischen Zweig mit den grünen Augen. Oder Pålle, den sie mobben und der aus schwierigen Familienverhältnissen stammt. Den Hosenscheißern werden sie es schon noch zeigen – und auch der übrigen Welt ...
Meinung:

"Erschieß die Apfelsine" ist das dritte Buch, das ich von Mikael Niemi gelesen habe. Und genau wie die anderen Bücher von ihm ("Der Mann, der starb wie ein Lachs", "Populärmusik aus Vittula") war "Erschieß die Apfelsine" wieder ein ganz besonderes Leserlebnis, denn Mikael Niemi nimmt keine Hand vor den Mund.
Er beschreibt die Dinge, wie sie sind, schreibt über Sachen, die aus ästhetischen Gründen in anderen Romanen nicht vorzufinden sind. Er schreibt so, wie man es von einem rebellischen Teenager (der Hauptfigur in diesem Roman) erwarten würde. Die Sprache verliert dabei aber nicht an Besonderheit - ganz im Gegenteil, der Stil schaffte es auch hier wieder, mich zu überzeugen, weil bei mir während des Lesens ein echtes Kopfkino stattfand.

Dieses Kopfkino war eben manchmal auch echt eklig, denn Niemis Romanheld möchte ein Zeichen setzen, die Welt um sich herum in Aufruhr bringen und gegen gesellschaftliche Regeln protestieren. Dafür schreckt er nicht zurück, einen Tag lang mit einem dicken Popel auf der Wange herumzurennen. Nicht gerade schön, aber wenn man nur auf Ästhetisches steht, sollte man dieses Buch hier sowieso nicht lesen.

Es ist dennoch interessant mitanzusehen, wie die Reaktionen auf diese Taten ausfallen. Ich will nicht zu viel verraten, aber sie sind realistisch. Und genau das ist das traurige, aber auch irgendwie faszinierende an diesem Buch: Es zeigt die Realität, die knallharte, bittere Wahrheit.
Auch Niemis andere Charaktere werden nicht verschont. Sie sind ziemlich echt dargestellt, unperfekt, wenn auch nicht alle ganz sympathisch. Natürlich ist es schwierig, bestimmte Charaktere stark zu beleuchten, wenn man aus einer sehr subjektiven Sicht schreibt, weshalb bestimmte Personen auch etwas flach dargestellt waren - aber das passte meiner Meinung nach, denn die Hauptfigur hat auf die Gesellschaft ein teilweise sehr, sehr eingeschränktes Blickfeld. Ich konnte ihn nicht immer leiden, die meiste Zeit habe ich mich sogar gefragt, warum zum Teufel er das alles macht, aber es war trotzdem irgendwie nachvollziehbar. Ich glaube das ist es auch, was mich an dem Buch so fasziniert hat: Dass es mir völlig fremd war, mich aber trotzdem mitreißen konnte und nicht unverständlich für mich war.

Fazit:

Dieses Buch ist nicht jedermanns Sache, deshalb empfehle ich jedem, vorher einen Blick hinein zu werfen. Dennoch kann ich diesem Buch mit gutem Gewissen 4,5 von 5 Sternen geben.

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